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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 99

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Alt-Kempen
Date
1923-01-01
Page
Seite 99 (sequence 19)
Language
German
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Festzeit — le chowed jomtow — von den wohlhabenden Gemeindemitgliedern ins Haus gesandt. Mit der Ueberreichung dieser Ehrenspende wurde gewöhnlich der älteste (unverheiratete) Sohn betraut. Das war gewissermaßen ein Ehrenauftrag füt den Heranwachsenden Jüngling, den er mit einem sichtlichen Stolze ausführte. Es gab kein jüdisches Haus in solch einer Gemeinde, in dem es an den Seder- Abenden an den üblichen Fisch- und Fleischgerichten, -an den gesottenen Eiern, an der gesüßten Obstschüssel, dem Charosseth, fehlte. Nun war endlich der vierzehnte Nissan erschienen; die Festzurüstungen waren glücklich abgeschlossen. In den jüdischen Häusern war nach den arbeitsreichen Wochen, Ruhe, Wohlbehagen, Festesstimmung eingezogen. Der Sedertisch war in der herkömmlichen Weise gedeckt und geschmückt, das Zimmer behaglich erwärmt, festlich erleuchtet. Während jedoch zur Chanukahfeier Kempen, wie bereits erwähnt, -gleichsam illuminiert erschien, blieben zur Pessachfeier die aus die Straße hinausgehenden Fenster fest verschlossen. Es sollte eben niemand in die festlich erleuchteten Wohnungen der Juden Hineinblicken. Es sollte kein Neid erweckt' werden. Aber es war doch auch noch so etwas wie von einer Unterströmung in dem Empfinden erkennbar, das aus längst vergangenen Zeiten her sich in die Gegenwart hineingeschlichen hatte. Das Blutmärchen, das „Bilbul", hatte die jüdischen Gemüter verängstigt und eingeschüchtert. Die Erinnerung an jene entsetzlichen Verfolgungen war noch nicht völlig aus den jüdischen Seelen geschwunden. Sie zitterte namentlich unter den Aelteren und den Alten nach und ließ den Freudenausdruck über die Befreiung von dem Ägyptischen Sklavenjoche nicht zu voller Entfaltung -gelangen. Immerhin machte der ganze Verlauf des Seder-Abends mit seinen mannigfachen teils sinnigen, teils naiv sentimentalen Beziehungen, mit seinen ' 99 v

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