Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Alt-Kempen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 17)
- Language
- German
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gesäubert. War dann für den allgemeinen Bedarf reichlich gesorgt, dann kam die Herstellung einer Art von Luxusgebäck, in Gestalt von Eier-Mazzoth an die Reihe. Für die eigentlichen Festmahlzeiten, namentlich an den Seder-Abenden, durften indessen diese Eiermazzoth nicht verwendet werden. Denn die ungesäuerte, nur mit Wasser angerührte Teigmasse sollte ja auf den überhastet ausgesührten Auszug aus Mizrajim hindeuten. Aber die Passah-Woche machte auch noch ganz andere Zurüstungen notwendig. Besonders mußte für Suppen gesorgt werden; zum Mindesten für die zu deren Bereitung erforderlichen Grundstoffe rechtzeitig Rat geschaffen werden. Da war dann die rote Rübe, die Runkelrübe, eine höchst willkommene Helferin in der durch das Passah-Ritual sehr beengten Speisenauswahl. Acht bis zehn Tage vor dem Feste wurden die roten Erdfrüchte in einen Wasserzober getan und dann bei einer bestimmten Temperatur ihrem Schicksal überlassen. Das Wasser hatte inzwischen die löslichen und die aromatischen Bestandteile in sich ausgenommen. Die hellgerötete Flüssigkeit hat einen etwas süßlich faden Geschmack, dem jedoch durch gewisse Zutaten abgeholfen werden konnte. Diese Roterübensuppe, der polnische bars262, jüdische „Borscht" genannt, hat in der internationalen Küche sogar eine gewisse Berühmtheit erlangt. An den Passah-Mahlzeiten, namentlich in den Zwischen- Feiertagen, bildete dieser Borscht, mit Mazzoth-Reibichs versetzt, mit Gelbeiern abgezogen und durch einen gut abgeschmelzten Kartoffelbrei unterstützt, den Hauptbestandteil. Einige Scheiben saftig gebratener Rinderbrust trugen zuweilen nicht wenig zur Erhöhung des Wohlbehagens bei. War solch ein Borscht-Gericht besonders gut geraten, dann schnalzte die wackere Hausfrau bei jedem Schluck mit der Zunge und fügte vollbefriedigt über das Werk ihrer Kochkunst hinzu: „alle jüdische Kinder gesagt"! Dabei tat es diesem Wunsche Jahrbuch 182» 7 97