Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 96

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Alt-Kempen
Date
1923-01-01
Page
Seite 96 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
89% known words query
IRI
…/3111067-3111116-3118052--6515-3118161
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

hinaus- und die linden Frühlingslüfte Hineinströmen zu lassen. Für Maurer, Tüncher, Zkmmerleute waren rechte Erntewochen gekommen. Die Wände wurden vielfach mit frischem Kalk beworfen und geweißt, auch die gedielten Fußböden gehörig gereinigt und abgehobelt. Dann ging es an die Beschaffung der für 'die Bereitung der Mazzoth erforderlichen Weizenmengen. Die Getreidehändler, die Müller wurden mit Aufträgen überlaufen. Je näher zu Passah, desto lebhafter der Verkehr. Nun war inzwischen die letzte Woche vor dem Feste erschienen. Der Gemeinde-Ofen, für gewöhnlich als Schalent-Ofen benutzt, wurde auf das Peinlichste für seine nunmehrige Bestimmung als Mazzoth-Backstätte hergerichtet. Keine kleine Arbeitsleistung. Unter strengster Aufsicht erprobter Gemeindebeamten wurden nunmehr die Mehlmengen abgewogen, mit Wasser angerührt, das vorher eigens von angesehenen Gemeindemitgliedern aus den Pumpen geschöpft und in die Backstube gebracht mar, und den polnischen Bäuerinnen zugeteilt, die mit ihren sehnigen Armen sich ans Werk machten und mit ihren, kräftigen Händen den Teigklumpen möglichst rasch in die verlangte runde, dünne Scheibenform brachten. Den letzten Schliff sozusagen, gab dann der Gemeindebeamte, indem er mit einem an einem Eisenstiel befestigten, beweglichen Zahnrädchen kreuz und quer über die Teigscheibe fuhr, die nunmehr von dem hierzu bestimmten jüdischen Bäcker in den Ofen geschoben wurde. Dieses Mazzoth-Backen war eine keineswegs leichte Arbeit. Es gehörte große Geschicklichkeit, Erfahrung, sorgsame Beobachtung dazu, um die weiche Teigscheibe heil in den Ofen hinein und das überaus spröde Gebäck wieder so aus dem Ofen herauszubefördern. 'Mit der ängstlichsten Sorgfalt wurden nach jedesmaliger Benutzung die Bretter, aus denen die Teigklumpen ausgewalkt wurden, von allen etwa anhaftenden Teigresten durch Glasschneiden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.