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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 95

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Alt-Kempen
Date
1923-01-01
Page
Seite 95 (sequence 15)
Language
German
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Gemeinden üblich waren, fanden in Keinpen zu jener Zeit nicht statt. Es waren lediglich Familienfeste. Auch sogenannte Purimspiele kannte man nicht. Nur die Kinder „verstellten" sich und liefen in ihren harmlosen Verkleidungen und maskiert zu Verwandten und Freunden. Halbflügge Burschen trotteten in richtigen Vermummungen durch die Straßen, klopften Wohl auch hie und da an die Türen und riefen ihr „heut ist Purim, morgen ist's aus, gebt uns e Gröschel un werft uns raus" in die hellerleuchteten Zimmer, nahmen ihre Kupfermünzen entgegen und trollten sich von dannen. Es ist jedoch auch vorgekommen, daß erwachsene junge Männer sich „verstellten" und ihre besten Bekannten und Verwandten zu foppen verstanden. Da erschien der Eine in der winzigen Gasse als das Schildberger Rawchen, der Andere als Karzenitzer Maggid, ein Dritter als Schandar (Gensdarm). Höchst selten jedoch sah man ein verkleidetes junges Mädchen. Diese eigenartige Scheu der jungen Jüdinnen früherer Zeiten bildet ja bekanntlich auch ein sehr kennzeichnendes Merkmal an Shylocks Jessika. Als damals ein erwachsenes junges Mädchen aus achtbarem Hause sich zu Purim „verstellte" und bei befreundeten Familien erschien, hat man in der „Kille" über solch eine „Neuerung aus Breslau" lang und breit verhandelt und die Sache als unpassend für ein „jüddisch" Kind verurteilt. Ob die Alten nicht am Ende damit recht gehabt? Unmittelbar nach'Purim setzten die Zurüstungsarbeiten für das bevorstehende Passahfest ein. Die ganze Kille geriet in eine gewaltige Bewegung. In jedem Hause herrschte regste Tätigkeit und keine Hand blieb müßig. Eine gründliche Säuberung aller Wohnräume bis in die dunkelsten Winkel mußte durchgeführt werden. Fenster und Türen wurden weit geöffnet, um die muffig gewordene Lust aus den dumpfen Gemächern 95

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