Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Alt-Kempen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3111067-3111116-3118052--6511-3118157- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Malbim 1× ep/1002711
OCR text
Völkchen nicht den allermindesten Eintrag. Im Gegenteil, das trug ganz unbewußt zur Erhöhung der Stimmung bei. Zu den willkommenen Unterbrechungen der eintönigen Winterszeit, namentlich der endlos sich hindehnenden Abende gehörte die Chanukah-Woche. Ein allgemeiner weihevoller Frohsinn machte sich überall geltend. Die Kinderwelt vergnügte sich mit einem „Trendeln" benannten Spiel. Das „Trendel" war ein aus Blei oder Zinn gegossener Kreisel, an dessen vier Flächen je ein Buchstabe 1, 1, n, (die Anfangsbuchstaben der Worte rm 'Dl ein großes Wunder war dort geschehen) zu lesen war. Die volkstümliche Deutung dieser vier Buchstaben wies jedoch weniger auf die Heldenzeit der Maccabäer und auf das Oelwunder in dem wiedergeweihten Tempel in Jerusalem hin, als auf eine der Gemeinde Kieserstädtel angedichtete physiognomische Eigentümlichkeit. Dieser Auslegung zufolge sollten jene vier hebräischen Buchstaben die Anfangsbuchstaben der jüdisch - deutschen Worte bedeuten: Städtler Hobe große Näs'. Ob die auf diese Weise gehänselten Kieferstädtler Gemeindemitglieder wirklich so eine Art von burbornischer Nase zur Schau getragen, entzieht sich leider unserer Kenntnis. Genug, an den Chanukah-Abenden ging dieses Scherzwort von Mund zu Mund. Kempen aber, als Gemeinde, war während dieser Woche ganz richtig „illuminiert" und am letzten Chanukah-Abend erstrahlte das Städtchen in dem Lichterglanze des voll besteckten achtarmigen Chanukah-Leuchters Heller wie selbst zu Königs Geburtstag. Der Chanukah - Sabbat wurde besonders feierlich begangen. Der Rabbiner Malbim hielt eine Ansprache, bei der es an mehr oder weniger beißenden Anspielungen auf die „Mißnagdim", die Gegner, nebenan im Beth ha Midrasch nicht zu 92