Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Alt-Kempen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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schwarzen Strümpfen, Halbschuhen, die pelzverbrämte Sammetkappe auf dem Haupte, am Sabbat durch eine hohe Pelzmütze, zuweilen aus Nerz- oder Zobel-Fell ersetzt, durchaus keine üble Figur. Tracht jedoch wie Sprache fanden sich indessen damals schon in einer bereits stark angefochtenen Position. Ihre bevorstehende Endschaft kündigte sich bereits durch allerhand bedrohliche Anzeichen an. Es fehlte in beiden Hinsichten an dem für den ungefährdeten Fortbestand erforderlichen Nachwuchse. Noch behaupteten sich allerdings beide und gaben dem öffentlichen Wesen das kennzeichnende Gepräge. Und besonders kam das an Sabbaten und noch ungleich stärker an den hohen Fest- und Fasten- Tagen zur Geltung. Da sah man noch vielfach alte, ehrwürdige Männer, unter ihnen wahre Prachtköpfe, die an Dürer'sche oderRembrandt'scheSchöpfungen erinnern mochten, in ihren Gebetmänteln über die Straße nach der Synagoge oder in das Beth ha Midrasch gehen. Daß am Laubhüttenfest ganze Scharen Tempelbesucher mit ihren Palmzweigen, Myrthen- und Weidensträußen über den Markt und die übrigen Straßen hinzogen, war etwas durchaus Selbstverständliches. Zu solchen Festzeiten bot auch wirklich die herrliche Kempener Synagoge einen überraschend prächtigen Anblick dar. Die Synagoge war und ist auch wohl noch bis auf diesen Tag das ansehnlichste Bauwerk der Stadt; sie hat überhaupt nicht viele ihres Gleichen. Sie ist in ihren Einzelheiten mit ihrer künstlerisch reichverzierten Misrach-Wand, dem schmiedeeisernen Almemor, der Vorhalle, der in streng römischem Stile gehaltenen Schauseite so oft beschrieben worden, daß jedes weitere Wort unnütz wäre. Nur das sei hier angemerkt, daß diese Kempener Synagoge nach den im zweiten Buche der Könige angegebenen Maßen des Salomonischen Tempels ausgeführt ist. So wenigstens wurde allgemein behauptet. Wer den harmonisch schönen Bau entworfen, habe ich leider nicht erfahren können. 90