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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 89

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Alt-Kempen
Date
1923-01-01
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
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IRI
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-er allerdings mit dem Eingreifen der australischen Wolleproduktion ein ziemlich rasches Ende finden sollte. Vorerst aber hing sozusagen noch der Kempner Geschäftshimmel voller Geigen, und demgemäß lebte es sich auch in der „Kille", in der Gemeinde, recht behaglich. Eine nichtjüdische Konkurrenz stand gänzlich außer Frage- Gab es doch dazumal in Kempen kaum ein nichtjüdisches Geschäft! Aber auch das Handwerk war fast ausschließlich iy jüdischen Händen. Schneider, Schuhmacher, Schlosser, Uhrmacher, Drechsler — lauter Juden. Zimmerleute, Maurer, Schmiede, Tischler, Böttcher waren freilich unter ihnen nicht vertreten. Zwischen der polnischen, also der katholischen und der jüdischen Bevölkerung herrschte ein gutes Einvernehmen. Der sehr unansehnlichen protestantischen Bevölkerung, die Zudem in ihren maßgebenden Bestandteilen sich aus Beamten zusammensetzte, standen sowohl Juden wie Polen im besten Fall ziemlich neutral gegenüber. Sie wurde gewissermaßen als etwas Fremdes angesehen. Man hieß sie allgemein „Deutsche". Man nahm sich ihnen gegenüber in Haltung und Sprache zusammen; Hoheit aber und Würde verscheucht ja nach dem bekannten Worte des Dichters die Vertraulichkeit. Dafür stellte sich diese um so rascher ein. sobald man untereinander sich des Jüdisch - Deutsch oder des Jüdisch - Polnisch bediente. Jüdisch-Deutsch, kurzweg „Jiddisch", war die ausschließliche Verkehrssprache. Das Heranwachsende Geschlecht war allerdings eifrig darauf bedacht, richtiges Hochdeutsch zu erlernen; allein auf offener Straße blieb der Jargon vorherrschend, wie auch die logenannte jüdische Tracht — sie ist eigentlich tartarischen Ursprungs — von der älteren Generation, ganz besonders von der Aristokratie, von den Gelehrten zäh Leibehalten wurde. Ein schlanker, hochaufgeschossener Jude machte auch tatsächlich in seinem enganliegenden, bis an den Hals geschlossenen „Chalat", den Kniehosen, 89

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