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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 85

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Alt-Kempen
Date
1923-01-01
Page
Seite 85 (sequence 5)
Language
German
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IRI
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innerhalb der Gemeinde wie geächtet. Man mied so viel als möglich jeden Verkehr mit ihm. Er war ein Gezeichneter. So wurde er nach dem Brande, nach der „großen Szreife" niemals mehr zur Tora-Vorlesung aufgerufen. Zur Einleitung eines gerichtlichen Verfahrens ist es jedoch nicht gekommen. Ein Chillul ha Schem, ein öffentlicher Skandal, eine Schmach für die Gemeinde mußte doch unter allen Umständen vermieden werden. Am nächsten Sabbat wurde in der Synagoge ein besonders feierlicher Gottesdienst .abgehalten, an dem der Rabbiner Malbim eine ergreifende Ansprache gehalten hat. Predigten in. unserem Sinne gehörten nämlich damals noch nicht zu den -regelmäßigen Bestandteilen des Gottesdienstes. Sie bildeten vielmehr die Ausnahmen. An den hohen Feiertagen predigte allerdings der Rabbiner; an gewissen Sabbaten, wie an dem vor Ostern, dem sogenannten „großen", ferner an dem Buß-Sabbat zwischen dem Neujahrs- und dem Versöhnungsfeste hielt der Rabbiner einen gelehrten Vortrag über ein talmudisches Thema. Dabei kam es zu rechten Wechselveden, an denen sich besonders die Gegner des Rabbiners .zu beteiligen pflegten und bei denen es vorzugsweise darauf abgesehen war, Len Vortragenden in Verlegenheit zu setzen. Da indessen das Vortragsthema streng geheimgehalten wurde, hatten die Gegner kein leichtes Spiel gegenüber dem gut vorbereiteten Redner. Um so höher stieg alsdann der Ruhm des Angreifers, sobald es ihm aus dem Stegreif gelang, den aufgetürmten Gedankenbau des Rabbiners durch seine Einwendungen zu -erschüttern oder gar zu zertrümmern. Dann bewunderte man den Scharfsinnigen, den Charif in hohen Tönen. Es kam wohl auch vor, daß der eigentliche Gegner sich nicht stellte, sondern einen tüchtigen Kämpen sandte, der gegen den Rabbiner, nämlich Malbim, angehen sollte. An solchen Sabbaten ging es dann in der 85

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