Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 82

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Alt-Kempen
Date
1923-01-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3111067-3111116-3118052--6501-3118147
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

diesem Gebiete, wie auf allen übrigen im öffentlichen Leben, erst Ordnung geschaffen, hörte auch jenes Unwesen allmählich auf und machte einer anständigeren Haltung in Handel und Wandel Platz. Von der schlesischen Grenze ist Kempen kaum eine halbe Meile entfernt. Das nächstgelegene Dörfchen Bralin war ein beliebter Ausflugsort. Dort konnte man bereits schlesische Luft atmen und sich an der Sauberkeit und Behäbigkeit der Bauerngehöfte erfreuen. Richtete man dagegen seine Schritte nordöstlich ins Posensche oder gar östlich ins Polnische, dann war der Kulturstand ein gar zu arger, um nicht auf den ersten Blick wahrgenommen zu werden. Kempen lag nun inmitten dieser beiden hart aneinander grenzenden „Welten". „Polen ist eine andere Welt, Schlesien (Schlesche) ist wieder eine andere Welt". — So ging's in der Rede von Mund zu Mund. „Und wir Kempener müssen danach trachten, mit beiden Welten fertig zu werden." Und wirklich machten sich in diesem alten Kempen gar frühzeitig schon gewisseRegungen bemerkbar, die auf eine Kulturrichtung nach Westen hin gedeutet werden konnten. Allerdings mußten sich derartige Gelüste vorerst noch schüchtern verhalten. Sie durften nicht ans Tageslicht sich hinauswagen. Aber im Geheimen zuckten bereits hie und da in einzelnen Köpfen sehr bedenkliche Neuerungsgelüste auf, deren wir noch zu gedenken haben werden. Vorerst blieb indessen alles noch unangetastet in dem überlieferten Zustande und das alte Kulturbild stellte sich in seiner ganzen Echtheit unseren Blicken dar. Und was für eines! Die Stadtanlage ist die typische slavische. Den Stadtkern bildet der Ring, im Widerspruch zur Bezeichnung meist viereckig gestaltet, auch Markt genannt. Bon den Ecken des Marktplatzes aus gehen dann rechtwinkelig Straßen aus, die sich dann in die sogenannten 82

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.