Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Alt-Kempen
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Alt-Kempen. Eine Kulturskizze aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Von Dr. 3. Kastan. tcr Schauplatz, auf dem sich die in den nachfolgenden Blättern geschilderten Begebenheiten abspielten, ist ein starkpolnisches an der südöstlichsten Spitze der Provinz Posen gelegenes Landstädtchen, das zu jener Zeit, so etwa um die Hälfte des vorigen Jahrhunderts viel genannte Kempen. Es zählte damals ungefähr 6000 Einwohner, von denen zwei Drittel Juden waren. Diese Kempener jüdische Gemeinde war somit im Verhältnis zur Einwohnerschaft die größte im preußischen Staat, ja vielleicht im gesamten deutschen Sprachgebiete. Ein Umstand, der für die Entwicklung der Eigenart dieses Kempener Judenvölkchens ebenso entscheidend werden sollte, wie die geographische des Städtchens in dem Treffpunkte der Preußischen Provinzen Posen und Schlesien einerseits und des Königreichs Polen andererseits. Kongreßpolen wurde amtlich dazumal noch im üblichen Sprachverkehr so genannt. Manche Einrichtungen, die noch aus der Zeit der selbstständigen Adelsrepublik Polen herrührten, hatten sich auch während der russischen Herrschaft erhalten. Polnisches Silbergeld, polnische Scheine, polnische Banknoten waren vielfach im Umlauf neben abgegriffenen, plumpen, schmutzigen Kupfermünzen. Erst nach und nach verschwanden sie aus dem täglichen Verkehr. Bis in die Zeit des Krimkrieges hinein.herrschte noch dieser entsetzliche Münzwirrwarr und trug nicht wenig zur Verunredlichung des Handelsverkehrs namentlich mit der Bauernbevölkerung bei. Sobald Preußen auf 81 Jahrbuch 1923 6