Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Haym Steinthal
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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und auch sonst um die Förderung der Wissenschaft des Judentums verdiente Geschichtsforscher Prof. Martin Philippson, der langjährige Vorsitzende des D.J. G.B., auf Steinkhal in dessen Abwesenheit. „Mein Leben", so sagte Philippson, „hat mich mit sehr vielen großen Männern verschiedener. Bekenntnisse, in den verschiedensten Kulturländern zusammengeführt. Aber ich frage Sie, wo finden Sie einen Mann, einen Menschen wie unfern Steinthal? Ich sage Ihnen, Sie finden keinenl" . Mancher fühlte sich bei ihm an die alten Propheten erinnert. Nun, Steinthal hatte zwar weder das Temperament und hinreißende Pathos, noch die glühende Phantasie und poetische Begabung der alten Propheten. Auch beherrschte ihn, den stillen Forscher, natürlich nicht der unbezwingliche, ungestüme Drang, sich mitten in den Strom des Leben zu stürzen, und das Volk trotz allen heftigen Widerstrebens in Leben und Denken zu sich, zu seinem Gott herüberzureißen und zu revolutionieren. Er war ja Theoretiker, nicht Praktiker, ein Mann fruchtbarer, mannigfach-fördernder Gedankenarbeit, nicht eines sich mächtig nach außen entladenden Dranges nach Formung und Gestaltung des menschlichen Lebens. Aber die Sehnsucht nach sittlicher Erhöhung' und Durchdringung des Lebens beherrschte auch ihn ganz wie die Propheten, er besaß die Reinheit und Hoheit ihres Herzens und auch viel von ihrer Seelenglut, wenn sie auch freilich bei ihm still und verhalten war. Wir freuen uns und empfinden es mit tiefer Genugtuung, daß Steinthal aus dem Judentum nicht nur hervorgegangen ist, sondern daß er nach seinem eigenen Bekenntnis dem jüdischen Leben und Denken dauernde, tiefwurzelnde, unzerstörbare Anregungen entnommen hat. Ich hörte ihn einmal sagen: Die Frage, ob die Prophetenreligion nur als die Religion einzelner, einsam 79