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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 74

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Haym Steinthal
Date
1923-01-01
Page
Seite 74 (sequence 13)
Language
German
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IRI
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' ’ I' ' Volk, das ohne alle Religion wäre. Reisende, die selbst über tiefststehende Volksstämme anders berichten, beweisen damit nnr, daß sie nicht fähig sind, . das menschliche Leben in seinen primitivsten Formen richtig zu erfassen. Was freilich eigentlich Religion ist, wohin sie strebt, das kann nur, meint Steinthal, aus ihren höheren Formen richtig erkannt werden. Was aber ist Religion? Nichts anderes, als das Gefühl der Erhebung, welches die Ideale, dann aber auch alle wirklichen Dinge in uns erwecken, insofern und in dem Maße, als sie das Ideal verwirklichen. Religion ist Begeisterung für das Gute, Wahre und Schöne. Der Mensch hat nicht nur den kalten Trieb, alles um sich her und sich selbst zu erkennen und die äußere Natur zu seinem Nutzen und zum Nutzen der andern zu beherrschen. Im Menschen liegt vielmehr auch der Drang, über das jedesmal Gegebene hinauszugehen, vom Beschränkten zum Unbeschränkten, vom Endlichen zum Unendlichen und Vollkommenen fortzuschreiten. Jede Erfahrung eines Hohen und Wertvollen gibt den Gedanken des Höheren, Wertvolleren, des Unendlichen. Je höher ein Gegenstand unserer Betrachtung steht, um so näher wird unser Bewußtsein zum Vollkommenen hinaufgetragen. Ein solcher Gegenstand reißt unseren Geist in plötzlichem Schwünge zu seltener Höhe, und dieser Schwung und die Vorstellung der Nähe des Unendlichen erzeugt das wohltuende Gefühl der Erhabenheit, und eben dies Gefühl der Erhabenheit ist Religion. Religion, Idealismus, Begeisterung ist also das Gefühl für das Unendliche schlechthin und für alles Endliche, das eine Darstellung oder eine Ahnung des Unendlichen ist. Darum setzt die Religion immer ein Höchstes, das wir Gottheit nennen, einen unauslöschlichen Herd der Begeisterung, von welchem die Strahlen abwärts gehen, voraus. So ist der religiöse Ausdruck für die Religion der: ein heiliges Gefühl, ein Entstammtsein

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