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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 72

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Haym Steinthal
Date
1923-01-01
Page
Seite 72 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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hat, so möchten wir doch für seine Verdienste um das Verständnis der Bibel den Hauptnachdruck nicht auf seine wissenschaftliche, sondern auf seine ästhetische und religiöse Betrachtung des heiligen Buches legen. Der religiösen Betrachtung haben wir schon Erwähnung getan. . Aber das Bild wäre nicht vollständig, wenn wir nicht auch der Art, wie Steinthal die Bibel zu würdigenversteht, gedächten. Berühmt ist ja sein Vortrag über die „Erzählkunst der Bibel." Herder hat das große, unvergängliche Verdienst, uns die Schönheit und Erhabenheit der biblischen Poesie erschlossen zu haben. Steinthal bietet hier eine willkommene Ergänzung, indem er die Prosa der Bibel ästhetisch beleuchtet. Er weiß es und spricht öfter davon, daß die biblischen Erzähler nicht alle gleich reizvoll sind, aber mit einem seltenen psychologischen Scharfblick und mit einem ungewöhnlichen Feingefühl in ästhetischen Dingen weiß er auf stilistische Feinheiten und auf die einfache schmucklose Schönheit und unvergängliche Erhabenheit auch in der biblischen Prosa aufmerksam zu machen. Die biblische Erzählkunst, sagt er, erscheint in absolut einfachem Gewände, absolut schmucklos, und dies ist ihr Schmuck und ihr Ruhm. Vergleicht man sie in dieser Hinsicht mit Homer, wie reich ist er, wie arm sie! Sie kennt keine Gleichnisse, sie kennt keine schmückenden Beiwörter, sie stellt die Sache hin, und nichts als die Sache, und so wirkt sie, wie die Natur und die Wirklichkeit selbst, und veraltet nicht und schwächt sich nicht, die Kultur mag steigen, so hoch sie mag. Wie Winter und Frühling, Grab und Hochzeit den Menschen ohne Rücksicht auf Bildung für immer ergreift, so das Bibelwort. Aber mehr noch als die Schönheit rühmt Steinthal die Hoheit und Erhabenheit der Bibel, die er in eindringender Analyse aufzuzeigen sucht. Er sagt: „Wer die Hoheit des einfachen Großen genießen und 72

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