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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 65

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Haym Steinthal
Date
1923-01-01
Page
Seite 65 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Steinthal hat selbst von diesen Artikeln gesagt, daß er sie mit seinem Herzblut geschrieben habe, oder, wie er sich ein ander Mal ausdrückt, sie kämen alle wie aus einem heißen Ofen. Das Absterben jüdischer Seelen für das Judentum,. die sich ausbreitende Lauhigkeit und Gleichgültigkeit gegen die Religion der Väter war ihm tief schmerzlich; und der Gedanke an den Abfall vom Judentum konnte ihn mit einer Bitterkeit erfüllen, die sonst seinem Weichen, milden, mit Gott und Menschen versöhnten Wesen gänzlich fremd war und die er sich immer wieder bemühen mußte, aus seinem Blute wie eine Art Gift auszuscheiden. War ihm schon die Wissenschaft eine Art Gottesdienst, so war ihm das Judentum seines Herzens heiligste Angelegenheit, der Ausdruck seiner erhabensten Ideen und seiner innersten, sein ganzes Leben tragenden religiösen Grundüberzeugung. Ganz gewiß hatten Jugendeindrücke, ähnlich wie bei Moritz Lazarus oder Hermann Cohen, einen sehr wesentlichen Anteil an seiner innigen Anhänglichkeit an das Judentum. Es kommt sehr viel darauf an, welche Art von Frömmigkeit ein bedeutender jüdischer Geist einst im Elternhause und in seiner Heimatgemeinde kennen gelernt hat. Man denke z. B. an das aller wahren religiösen Weihe völlig bare Leben im Hause von Börne's Vater, und im Gegensatz dazu an das warme und zarte jüdisch - religiöse Empfinden bei Heine's Mutter; und man wird begreifen, warum für Börne das Judentum nie eine religiöse Macht gewesen ist, obwohl er bei seinem tief sittlichen Lebensernst religiösen Empfindungen durchaus nicht unzugänglich war, während Heine bei all seiner Spötterei, bei all seinem, dem düsteren religiösen Ernst abholden Kultus des Schönen und bei seiner Emanzipation des Fleisches dem Judentum im tiefsten Innern niemals abgestorben war und in seinen letzten Lebensjahren wie von Jahrbuch 1923 S

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