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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 58

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Die Wirtschaftsethik der israelitischen Propheten
Date
1923-01-01
Page
Seite 58 (sequence 27)
Language
German
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niedrig, klein und groß nur von einer Leidenschaft beherrscht sind, von der Profitgier; ungerechten Gewinn zu machen, ist ihr höchstes Ziel (Jer. 6, 13; 8, 10; Ez. 22, 27; 33, 31). Verschwunden ist die Ehrlichkeit, sagt Jeremias (7, 28). Damit ist aber am deutlichsten die Wirtschaftsethik der Propheten charakterisiert. Ihr oberster Grundsatz ist Ehrlichkeit. Bezeichnend ist auch, daß Ezechiel (28, 18) als Grund für den Untergang. von Tyrus die Unredlichkeit (ל$) seines Handelsbetriebes geltend macht (hierzu beachte noch 3. Mos. 19, 35 f). Ehrlichkeit wird den Handwerkern nachgerühmt, welche die Reparaturen am Tempelgebäude vorzunehmen haben; sie ist bis in die talmudische Literatur hinein die erste Forderung, die an den Kaufmann gestellt wird. Im babylonischen Talmud, Traktat Berakhoth 31 a steht unter den Fragen, welche dem Verstorbenen von Gott vorgelegt werden, an erster Stelle folgende: ״Hast du in Ehrlichkeit Handel getrieben?" *) Nirgens wird seitens der Propheten bezw. in der prophetischen Literatur ein Verbot des Handeltreibens ausgesprochen, Wohl aber ließen sich aus den diesbezüglichen Bemerkungen Direktiven entnehmen sittlichen Inhalts und mit stark sozialem Einschlag. Wenn dagegen an einzelnen Stellen die Hoffnung laut wird, daß der Handelsgewinn der Heiden Israel zu teil werden solle, so dürfen diese Sätze (wie Jes. 23, 18; 60, 11) nicht als Gedanken *) Der übrige Text der Stelle lautet in deutscher Hebersetzung: ״Hast du dir feste Zeiten für das Thorastudium gesetzt? Hast du eine Familie gegründet? Hast du auf das göttliche Heil geharrt? Hast du in Weisheit disputiert? Hast du ein. Wort aus dem anderen zu verstehen gesucht? (die beiden letzten Fragen beziehen sich auf die systematische Beschäftigung mit der Thpra). Doch auch dann noch erfolgt (der Freispruch) nur, wenn ״die Gottesfurcht sein Schatz ist" (vgl. Jes. 33, 6), sonst aber nicht. 58

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