Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Die Wirtschaftsethik der israelitischen Propheten
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 22)
- Language
- German
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Lebensunterhalt selbst erzeuge, damit er von der Selbstsucht des anderen unabhängig werde. Dieser letzte Passus leitet uns zu dem Kern unseres Themas hinüber, den ethischen Prinzipien, nach denen die Propheten das Wirtschaftsleben ihres Volkes reguliert zu sehen wünschen. Abschließend wollen wir hier noch einmal folgende Resultate feststellen. Das Israel der Propheten war im wesentlichen ein Ackerbauvolk. Sein Hineinwachsen in die kanaanäische Kultur erzeugte ein Städteleben mit teilweis unproduktiven Volksklassen. Das bedingte einen innerisraelitischen Handel zwischen Stadt und Land. Seine geographische Lage als Hinterland der konsumierenden Handelsplätze an der Küste rief eine Ausfuhr von Lebensmitteln, besonders wohl von Brotkorn, aber auch von Oel, Wein und Obst, desgleichen von Vieh wach. Klimatische und politische Geschehnisse unglücklicher Art taten das ihrige, wirtschaftliche Schwierigkeiten zu erzeugen. So komplizierte sich das Wirtschaftsleben und erwuchsen nationalökonomische Probleme. Der Handel an sich muß innerhalb dieser sich immer mehr verschärfenden Schwierigkeiten als eine durchaus gesunde Aeußerung des Volkslebens angesehen werden, und es entsteht nunmehr die Frage, wie sich die Propheten zu den geschilderten Problemen im Wirtschaftsleben ihres Volkes gestellt; mit anderen Worten, was der Inhalt ihrer Wirtschaftsethik gewesen ist. IV. Ueber die Form, in welcher die Propheten ihre sittlichen Forderungen in Bezug auf Handel und Wandel darbieten, ist oben schon gesprochen worden. Sie geben keine systematische Darstellung, auch erscheint bei ihnen, antiker Auffassung entsprechend, Recht, Sitte und Moral ungetrennt. Sachlich ist hier hinzuzufügen, 53