Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Die Wirtschaftsethik der israelitischen Propheten
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 21)
- Language
- German
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wegzudrängen vom Recht die Armen und die Geringen um ihr gutes Recht zu bringen, Witwen auszubeuten und Waisen auszuplündern. Man pfändete dem, der nicht zahlen konnte, seine Kleider; man nahm ihm den Ertrag seines Weinstockes (Am. 2, 8). Man plünderte ihn nach jeder Richtung hin aus, den letzten Groschen mußte er hergeben „den Leuten, die Frevel und Gewalttat aufhäufen in ihren Palästen" (Am. 3, 10; vgl. auch Jes. 3, 14 sin.) Frau und Kind werden ihm als Schuldsklaven genommen, und dabei herzlos die Mutter von den zärtlich geliebten Kleinen getrennt. Der Mann selbst muß als Schuldsklave arbeiten, entrechtet und mißhandelt auf Jahre hinaus, (vgl. Jes. 60,1; 40 2). Diesen tiefwurzelnden Krebsschaden am israelitischen Volkskörper zu heilen, sind von den Propheten mannigfache Versuche gemacht worden. Sie mögen schon hier Erwähnung finden, weil sich aus ihnen gleichfalls die ganze bittere Not ablesen .läßt, die wenigstens zum guten Teil als eine Folgeerscheinung des im Volke erwachten Handelsbetriebes gelten darf, und das Ausmaß des letzteren somit verbürgt. Es gehört zu den Pflichten der Frömmigkeit, daß man „das Pfand gewissenhaft zurückgibt", (Ez. 18, 7. 12). Man löst den in Schuldsklaverei Verkauften mit Geld ein, (Jes. 62, 3; vgl. Neh. 5, 8). Das Gesetz gebietet, daß die Schuldsklaverei eines Volksgenossen nicht länger als sechs Jahre währen dürfe. Im siebenten müsse er entlassen werden, eine Bestimmung, die allerdings nicht immer eingehalten wurde (Jer. 34, 8 fi.). Endlich ist es das nationalökonomische Ideal der Propheten, daß ein jeder auf seinem Besitztum ungehindert und ungeschmälert wohne (Ez. 46, 18) oder wie es im Sprichwort heißt: das jeder unter seinem Weinstock und Feigenbaum sitze ungestört, (Mi. 4, 4 vgl. I. Kön. 5, 6 II. Kön 18, 31; Jes. 36, 16)." Das bedeutet mit anderen Worten, daß ein jeder auf seiner Hufe seinen 52