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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 51

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Die Wirtschaftsethik der israelitischen Propheten
Date
1923-01-01
Page
Seite 51 (sequence 20)
Language
German
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5, 11: „Die ihr den Armen niedertretet und Kornfteuer von ihm nehmt". Wir tun hier einen tiefen Blick in den städtischen Kleinhandel mit Brotgetreide. Die arme Bevölkerung, selbst unproduktiv, ist gezwungen, den wesentlichsten Teil ihrer Nahrung vom Händler, der vielleicht zugleich Produzent oder nur Zwischenhändler ist, zu erstehen, und wird dabei in jeder Hinsicht übervorteilt. Bemerkenswert ist dabei, daß in sämtlichen Stellen von den Reichen und den Armen gesprochen wird. Dieses Gegenüber, beruht nicht auf Zufall. Die soziale Entwicklung hat den Mittelstand ruiniert. Der unabhängige Kleinbauer und Ackerbürger der Landstädte ist mit oder ohne eigene Schuld in Verarmung und Verlust seiner eigenen Scholle geraten. Die Latifundienwirtschaft mit all ihren sozialen Begleiterscheinungen ist aufgekommen. Darauf bezieht sich der Weheruf des Micha 2, 2, gerichtet an die, welche Ackergrundstücke begehren und sie rauben, Häuser in der Stadt und sie wegnehmen, einen Mann und sein Heim, einen Mitbürger und sein Erbe in ihre Gewalt bringen. Fast mit denselben Worten sagt Jesaias 5,8: „Wehe denen, die Haus an Haus rücken, Feld an Feld reihen". Aber damit nicht genug. Mit seiner eigenen Person und denen seiner Angehörigen geriet der unglückliche Schuldner in die Sklaverei seines Gläubigers. Die Häufigkeit, mit der dieses Thema von den Propheten behandelt wird, zeigt, wie verbreitet dieses Uebel war und wie zerrüttend es auf das Volksleben einwirkte. Man wird aus Stellen wie Jes. 10, 1 f (vgl. auch Hos. 8, 12) nicht mit Unrecht entnehmen dürfen, daß es zahlreiche Satzungen gerade auch bezüglich des Schuldrechtes gab, und daß dieses Recht trotz mancher Milderung — worüber weiter unten — ein ziemlich hartes gewesen ist: Wehe euch, die ihr Unheilssatzungen aufsetzt und Plackereien über Plackereien schreibt, 61 4-

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