Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Die Wirtschaftsethik der israelitischen Propheten
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ihrer Volksgenossen machen. Bei vielen Stellen sind wir überzeugt, daß sie, was ja psychologisch sehr nahe liegt, zu dick auftragen. Wie hätten sie Anhänger, die sie doch tatsächlich gehabt haben, gewinnen können, wenn die große Menge bis auf den letzten Mann sittlicher Fäulnis verfallen gewesen wäre! Wir müssen also von ihren allzu schwarzen Schilderungen Abstriche machen und, wo es möglich ist, andere Quellen heranziehen, um ein objektives Bild der Lage zu erhalten. Drittens, wo es sich vollends darum handelt, eine klare Uehersicht über den alltäglichen Wirtschaftsbetrieb Israels, über Erzeugnisse, Handel und Verkehr zu gewinnen, lassen uns die Propheten in der allergrößten Verlegenheit. Sie haben eben nicht das geringste Interesse daran, irgendwelche Kunde über das reale Wirtschaftsleben Israels zu vermitteln. Nur zufällig ist uns hie und da eine darauf bezügliche Notiz oder kleinere Ausführung erhalten. So bleibt notwendig das kulturgeschichtliche Bild, das wir als Hintergrund für die Behandlung unseres Themas brauchen, lückenhaft; und zwar sowohl inhaltlich, wie zeitlich. Wir werden im Folgenden Ergänzungen von anderswoher ausdrücklich als solche hervorheben; denn wir betrachten es als unsere Aufgabe, auch weitere Kreise über das zu orientieren, was sich aus der prophetischen Literatur mit Sicherheit zu unserer Frage Eruieren läßt. I. Um ein richtiges Augenmaß für die Wirtschaftsethik der Propheten zu gewinnen, ist es erforderlich, sich auf Grund ihrer Aussagen ein Bild von dem Wirtschaftsleben Israels etwa vom 8. Jahrhundert an zu machen, wobei selbstverständlich alles, was in der Einleitung über die Beschaffenheit der Quellen gesagt wurde, wohl zu berücksichtigen ist. 37