Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Die Wirtschaftsethik der israelitischen Propheten
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 5)
- Language
- German
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geschürt, die Funken wurden auf Windesflügeln durch die Gaue getragen und setzten hie und da die Hütte eines Volksgenossen in Brand, der sich nun in den Dienst der Macht gezwungen sah, die ihm alles zerstört hatte, was ihm bis dahin köstlich erschienen war. So kam es, daß mit der Zeit und nach vielen Schwankungen und Rückschlägen sich eine Gemeinschaft von solchen Jahweverehrern im Lande zusammenfand, die für das religiöse Empfinden und ethische Handeln weiter Schichten vorbildlich und normgebend wurden. Um zu erfahren, welche ethischen Forderungen die Propheten insbesondere für das wirtschaftliche Tun aufstellten, sind wir auf ihre Schriften angewiesen. Freilich ist es nicht leicht, sich nach diesen Quellen ein konkretes, lebensvolles Bild des israelitischen Wirtschaftslebens zu machen und in jedem Fall sestzustellen, wie weit die Gedanken der Propheten Einfluß gewonnen haben. Eine Schwierigkeit liegt vor allem in der Tatsache, daß die Propheten, nicht Systematiker sind. Sie bringen keine zusammenhängenden, streng logisch geordneten ethischen Deduktionen unter die Leute, sondern ihr ganzes Interesse ist darauf gerichtet, sich über brennende Fragen ihrer Gegenwart zu äußern, religiös-ethisch fördernd, warnend, rettend, solange es noch Zeit ist. Ihre ethischen Maximen sind eng verschlungen in ihre Polemiken, die Themen der äußeren oder inneren Politik ihrer Tage betreffen. Wir müssen also gelegentliche Erwähnungen, oft nur dürftige Andeutungen aus einem größeren Zusammenhänge herausschälen und richtig zu interpretieren suchen. Ferner die Intensität ihrer Gottesbegeisterung und ihres seinen Gefühles für das, was recht und unrecht ist, ergibt oft einen schier unüberbrückbaren Gegensatz zwischen ihnen und der breiten Masse des Volkes. Dieser Gegensatz wiederspiegelt sich in den Schilderungen, die sie von der geistigen und religiös-ethischen Verfassung 36