Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Die Wirtschaftsethik der israelitischen Propheten
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 4)
- Language
- German
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auch die religiöse Bestimmtheit der Lebensführung". - (Vgl. S. 2). Dabei weist Weber daraufhin, daß es innerhalb eines Volkes gewöhnlich nur eine soziale Schicht ist, die richtunggebend hervortritt und die betreffende Religion bestimmend beeinflußt. Der einmal geprägte Typus einer Religion Pflegt dann weitgehend auch aus die Lebensführung sehr heterogener Schichten zu wirken. Im israelitischen Volksganzen müssen wir recht verschiedene soziale und gesellschaftliche Schichten unterscheiden, deren jede natürlich ihre besonderen Tendenzen hatte und durch diese bis zu einem gewissen Grade auch ihrerseits dazu beitrug, den psychologischen Charakter der Religion zu modifizieren. Mit anderen Worten, wir müssen unterscheiden zwischen einer idealen und einer mehr vulgären ethischen Auffassung innerhalb ein und derselben religiösen Gemeinschaft. Da gab es ans dem Lande Großgrundbesitzer und Kleinbauern, in den Städten eine kleine, wohlhabende Bevölkerungsschicht und ein zahlreiches Proletariat; dazu in Stadt und Land einen schwer um seine Existenz ringenden Mittelstand. Wie verschieden wird das geistige und religiös-sittliche Niveau dieser Kreise gewesen sein! Gewiß größtenteils tief unter dem Niveau der großen Propheten, die wie einsame Wächter aus hoher Warte standen und die heiligen Feuer ihrer geläuterten Gotteserkenntnis anzündeten, um alle Niederungen des Landes von ihrem hehren Schein durchleuchten zu lassen. Viele ihrer Volksgenossen sahen ihr sie seltsam anmutendeZ Beginnen ohne Verständnis, ohne Entgegenkommen und machten sich lustig über ihr Eifern um Jahwe, ja, verhöhnten, schmähten und mißhandelten sie. Aber es kam trotz allem, wie es kommen mußte; das Geistige siegte in unerbittlichem, im wesentlichen unblutigen Kampfe über Aberglauben und Materialismus der großen Menge. Die heiligen Brände vergeistigter Gotteserkenntnis und -Anbetung wurden weiter 35 z»