Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Die Wirtschaftsethik der israelitischen Propheten
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 34 (sequence 3)
- Language
- German
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die Rettung seiner geliebten Volksgenossen! Es waren dies Männer, deren Herz warm schlug für ihre in Not geratenen Brüder; Männer, in denen eine Begeisterung, Hingebung und Glaubensinbrunst glühte, die stark genug war, die äußere Not zu überwinden und an Stelle vorübergehender Erschlaffung neue religiöse Spannkraft zu erwecken. Der Glaube der Väter mit seinen wertvollen Fundamenten: dem „Buch der Lehre", den Propheten und Psalmen blieb das unveräußerliche Gut Israels, gleichsam ein uralter, jedem Wetter trotzender Stamm, der beim Wehen eines neu erwachenden religiösen Geistes aufs neue Zweige und Blüten trieb. Nach Sombart verschwinden seit Esra Propheten und Psalmen wie in der Versenkung, als hätten sie niemals das tägliche Brot der Besten des jüdischen Volkes gebildet, ja, was bei einem Historiker fast noch einen schlimmeren Fehler bedeutet, als wäre es überhaupt möglich, daß lebensstarke geistige Werte eines Tages sang- und klanglos untergehen und nie. wieder Auferstehung feiern. Dem Nationalökonomen, der wirtschaftliche Erscheinungen in ihrer Abhängigkeit von religiösen Faktoren darstellen will, fehlt Kenntnis und Verständnis der letzteren, und seine Darstellung muß demgemäß beurteilt werden. Von Weber kommen außer „Ges. Aufsätze z. Religionssoziologie ILI: das antike Judentum" noch,, Wirtschaftsethik der Weltreligionen" in Frage. Mit feinem Verständnis hat er erkannt, daß bei der Beeinflussung des Wirtschaftslebens durch die Religion nicht die ethische Theorie theologischer Kompendien, sondern die in den psychologischen und pragmatischen Zusammenhängen der Religionen gegründeten praktischen Antriebe zum Handeln das Wesentliche sind (Vgl. S. 2). Eine konkrete Wirtschaftsethik ist ein kompliziertes Gebilde und pflegt überaus vielseitig, bedingt zu sein. „Zu den Determinanten gehört als eine — wohl gemerkt: nur eine — 34