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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 29

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Buddha und Moses
Date
1923-01-01
Page
Seite 29 (sequence 13)
Language
German
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Volke eine Seele und einen Lebensinhalt; er gab ihm ein Band, das die Stämme vereinte. Bei Buddha gelten die Götter nicht viel. Für Mose ist der Ewige und Barmherzige der Quell des Lebens und auch des sittlichen Lebens. Indem er den Gottesglauben in den Mittelpunkt seiner Lehre stellte, wies Mose auf den unversiegbaren Quell des sittlichen Tuns hin und gab seiner Lehre Kraft und Schwung und religiösen Heroismus. „Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott". Buddha und Moses legen in gleicher Weise das Hauptgewicht auf das sittliche Tun, auf die Veredlung des Menschen und seiner Lebensführung. Beide haben den Aberglauben aus ihren Religionen ausgeschaltet. Mose hat selbst die bildliche Darstellung Gottes untersagt, feine Thora enthält einen flammenden Protest gegen Aegypterart, Aberglauben und Zauberei und Totenbeschwörung. In der Gedankenwelt beider Religionsstifter tritt das jenseitige Leben in den Hintergrund, aber auch in diesem Punkte besteht ein Gegensatz zwischen beiden. Als höchste Seligkeit verkündet Buddha, der Lebensverneiner, das Ausgelöschtwerden des Nirvana. Was Mose fordert, ist das Wirken und Leben für das Volk, für die Gemeinschaft, die uns geboren, und was er verheißt, ist nicht das Ausgelöschtwerden, sondern das Fortleben im Volke. Das Leben gleicht nach einem Worte Buddhas einem Funken; niemand weißwoher er kam, niemand, wohin er im Erlöschen schwand. Aus dem Unendlichen kommt der Mensch, im Unendlichen geht er unter und fällt der Vernichtung anheim. Das Ausgelöschtwerden ist die Seligkeit des Heiligen, der nach der Lehre Buddhas gelebt hat. Aus seiner Volksgemeinschaft steigt der Einzelne zum Leben enrpor, in sie strömt der Segen seines Lebens, in sie mündet sein Einzeldasein ein; das ist die Unsterblichkeit, die Mose dem Frommen und Tätigen verheißt. 29

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