Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Buddha und Moses
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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den Zehnten dem Dürftigen geben. In der Gesellschaftsordnung des Mose hat jeder die Pflicht der Arbeit. Aber keiner darf zum Sklaven der Arbeit und zum Lasttiere herabsinken. Auch der Sklave und das Tier haben ein Recht auf einen Ruhetag in der Woche. Mose ist der Schöpfer des Sabbats, von dem einmal gesagt wurde, daß vor und nach dem Gesetzgeber des Sinai nichts unter den Menschen. erdacht und ausgeführt worden sei, was sich mit dem Sabbat vergleichen ließe. So geht von Mose die soziale Gesetzgebung aus. Er ist der Prophet der sozialen Tat und der sozialste unter den Religionsstiftern. Nicht Weltüberwindung, sondern Weltvervollkommnung ist sein Ideal. „Das Leben des Mose ist, wie seine Gesetzgebung, ein Protest gegen die gotteslästerliche Lehre, . . . . daß die Not und die Leiden der Mehrzahl der großen Massen von einer geheimnisvollen Fügung der Vorsehung ausgehen, gegen die wir nicht ankämpfen und die wir nicht ändern können . . . Für den, der sehen will, brennt der Dornbusch heute noch und für den, der hören will, ertönt noch heute die Stimme: „Das Volk leidet, wer will es erlösen?" (Henry George). Die geniale Schöpferkraft des Mose jedoch offenbarte sich nicht allein auf sozialem, sondern auch auf religiösem Gebiete. Buddha betet nicht zu den Göttern, im Buddhismus dünkt sich der Heilige mehr als die Götter. Moses aber bleibt in seinem ganzen Lebenswandel ein Mann der Demut und ein Diener Gottes und wird als großer Beter Vorbild und Führer denen, die im Gebet Befreiung suchen und Zuversicht finden. Er kommt aus dem Levitengeschlecht, in dessen Mitte der Glaube an den „Gott der Väter", den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, wie das Feuer im Heiligtum, nie erlosch. Den „Gott der Väter" erhob Mose zum Gotte des Volkes und erhob dadurch Israel zum Volke Gottes. Mit der Gottesidee gab Mose dem 28 '