Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Buddha und Moses
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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findet sich das Gebot: Du sollst nicht ehebrechen! Ein Gebot der Ehelosigkeit aber wie bei Buddha ist in der Lehre des Mose undenkbar. Aus der Bejahung des Lebens folgt aber auch die Wertschätzung der Arbeit. Des Mose Ziel und Ideal ist nicht eine Gemeinschaft weltentsagender Bettelmönche, sondern ein Volk von schöpferischen und schaffenden Menschen. „Der Ewige, dein Gott, wird dich segnen in dem Tun deiner Hände." Doch am klarsten offenbart sich die Eigenart des jüdischen Religionsstifters in seinem sozialen Wollen. Jeder Religionsstifter hat mit dem Problem menschlicher Not gerungen, und jeder hat es anders gelöst. Angesichts der Leiden, die die Menschen in der Welt erdulden müssen, rief Buddha die Menschen zum Einsiedlertum und zur Lebensverneinung auf. Jesus tröstete die Beladenen mit dem Glauben an das nahe Weltende und an das Wunder vom Himmelreich, das kommen werde. Mohammed verlangte von den Menschen Ergebung in die Fügungen des Himmels. Was Mose fordert, ist nicht resignierte Lebensverneinung und nicht untätige Ergebung in das Schicksal, sondern die soziale Tat. Das Wunder vom Himmelreich sollen die Menschen selber vollbringen. In der Gesellschaftsordnung, die Mose vorschwebt, darf es keinen Armen geben, den die Not des Lebens zur Verzweiflung treibt. Gottes ist die Erde, und jeder Mensch soll einen Anteil an ihr haben. Es darf nicht geschehen, daß wenige Latifundienbesitzer weite Strecken Landes besitzen, während Hunderttausende zu den Entwurzelten gehören, die nicht eine Scholle ihr eigen nennen. Der Besitz ist ein Geschenk Gottes und bringt nicht Vorrechte, sondern Pflichten. Bei . jeder Arbeit, die er auf seinem Acker verrichtet, soll der Landmann der Armen gedenken. Bei dem Abmähen der Aehren soll er die Ecken des Feldes dem Armen überlassen, bei den: Binden der Garben die Nachlese und vom gedroschenen Getreide 27