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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 25

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Buddha und Moses
Date
1923-01-01
Page
Seite 25 (sequence 9)
Language
German
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2. Mit dem Judentum kam der Buddhismus in keinerlei innere Berührung. Vielleicht darf kurz erwähnt werden, daß zur Lieblingslektüre der Juden früher der Lehrroman,, Prinz und Derwisch" gehörte, der unter anderem die Bekehrungsgeschichte Buddhas enthielt. Es hat wohl Forscher gegeben, die zwischen der Lehre Buddhas und dem Neuen Testament Parallelen und Verbindungen suchten. Allein zwischen dem Judentum und dem Buddhismus gab es keine Verbindung. Im Gegenteil: beide stehen im schärfsten Gegensatz zueinander. Der Buddhismus ist höchste Lebensverneinung, das Judentum aber ist Lebens¬ und Weltbejahung. Es ist eine Paradoxie in der Religionsgeschichte, daß in Indien, dem Lande des reichsten Ueberflusses, die Religion entstanden ist, deren erste Verkündigung lautet: Leben ist Leiden. Vom jüdischen Volke dagegen, an dessen Wiege Not und Knechtschaft gestanden haben und dessen Geschichte eine lange Kette von Leiden gewesen ist, ging die Religion aus, deren Grundstimmung bleibt: Das Leben an sich ist ein Glück, darum „wähle das Leben!". Der Gegensatz zwischen den beiden Religionen kommt klar in ihren Stiftern zum Ausdruck. Wie Buddha war auch Moses ein Prophet des Mitleids. Mitleid ist der Grundzug seines Herzens. Das Mitleid mit seinem geknechteten Volke trieb ihn aus dem Königspalaste. Lieber wollte er mit seinem Volke leiden als allein im Glanze des Palastes leben. Mitleid ist auch das Leitmotiv seiner Lehre. Denn die Gesetze des Mose fordern Mitleid mit dem Armen und Besitzlosen, dem Fremden und Heimatlosen, der Witwe und Waise, die keinen Vater und Beschützer haben, und dem Sklaven, der die Freiheit, sein höchstes Gut, verloren hat. Der Fremde soll nicht gekränkt 25

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