Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Buddha und Moses
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 7)
- Language
- German
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nicht lügen und keine berauschenden Getränke trinken. Du sollst nicht töten, d.h. keinem Lebewesen ein Leid zufügen. Darum sind im Buddhismus das Tieropfer, die Jagd und der Krieg verboten. Die strenge Durchführung dieses Gebotes artete in eine Torheit aus, denn es war verboten, auch das Ungeziefer, die Schlangen und die Tiger zu töten, die.den Menschen in Indien zur Plage wurden. In der Praxis war die strenge Durchführung auch nicht immer möglich, dennoch wirkte dieses Gebot veredelnd auf die Menschen. So ließ ein indischer König Heilstätten für Tiere und Menschen errichten, an den Straßen Bäume pflanzen und Brunnen graben. Durch das Gebot: „Du sollst nicht töten!" ist der Buddhismus auch eine Religion der Toleranz geworden; er hat nie Andersgläubige verfolgt, Kreuzzüge veranstaltet oder Ketzer in den Flammen der Scheiterhaufen verbrannt. Diese Toleranz hat dem Buddhismus freilich auch geschadet, als der Islam nach Indien drang und mit seinem Schwerte den Buddhismus verdrängte. Auch das zweite Gebot: „Du sollst nicht stehlen!" hat in der Lehre Buddhas eine positive Seite; es fordert Freigebigkeit. Mitleid mit allen Geschöpfen und Freigebigkeit gelten im Buddhismus als die höchsten Tugenden. Mit dem dritten Gebote: „Du sollst nicht unkeusch leben!" verlangte der Buddhismus von seinen Anhängern die Ehelosigkeit. Das vierte Gebot: „Du sollst nicht lügen!" forderte, daß man von dem Nächsten nur Gutes reden solle. Die Inder waren Trinker, und das fünfte Gebot, das die Enthaltsamkeit von allen berauschenden Getränken forderte, wirkte erzieherisch und heilsam. Für das indische Klima war Nüchternheit von großer Wichtigkeit. Gebet und Gottesdienst kennt der Buddhismus nicht. Der Heilige ist mehr als die Götter; wie sollte er zu den Göttern beten, die weniger sind als er. 23