Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Buddha und Moses
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Einer Mutter starb der Sohn. Sie kam zu Buddha und verlangte ein Heilmittel. Buddha sprach zü ihr: Hole mir einige Senfkörner aus einem Hause, in dem weder Sohn noch Tochter noch irgend jemand gestorben ist! Nach einiger Zeit kehrte die Mutter zu Buddha zurück und erklärte: Senfkörner konnte ich in jedem Hause erhalten; allein ein Haus, in das noch nie Schmerz und Tod eingekehrt sind, gibt es nicht. Jetzt sprach Buddha zur Mutter: Siehst du, der Tod ist ein ewiges Gesetz, und du bist nicht die einzige Mutter, die heimgesucht wird. Darauf trat die Mutter in den Orden ein und wurde eine Nonne. Doch das Wirksamste in seiner Lehre war die Moral, die die Veredlung des Menschen und seine sittliche Lebensführung forderte. Das Philosophieren und Grübeln galt Buddha als wertlos. Die Fragen, ob die Welt einmal erschaffen worden sei oder ewig bestehe, und ob es ein Fortleben nach dem Tode gebe oder nicht, wies er als nutzlos ab. Auf die Frage, ob es Götter gebe, antwortete Buddha ausweichend, es werde in der Welt allgemein angenommen, daß es Götter gebe. Buddha war nicht Atheist, wie behauptet wurde. Er ließ dem Volke seine Götter, aber er selbst dachte gering von ihnen: Die Götter waren früher Menschen und gelangten durch ihr Leben zu ihrer Herrlichkeit; der Heilige und Erleuchtete aber ist mehr als die Götter, denn er wird ausgelöscht. Ein Gott existiert und ist darum nicht das Höchste; das Nirvana des Heiligen und Erlösten ist höher als das Glück der Götter. Darum verwirft Buddha das Gebet und das Opfern vor den Göttern: Selbsterkenntnis ist mehr als das Gebet und Almosengeben an die Mönche wertvoller als das beste Opfer. Buddhas Forderung war: Nicht grübeln, sondern sittlich leben! Den Laien gab er fünf Gebote: du sollst nicht töten, nicht stehlen, nicht unkeusch leben. 22