Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Buddha und Moses
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 5)
- Language
- German
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sagte er: Die Lehre, die ich euch verkündet habe, sei nach meinem Tode euer Meister. Dreimal fragte er die um ihn versammelten Mönche, ob sie Zweifel an seiner Lehre hätten. Als sie schwiegen, sprach er: Wohlan, ihr Mönche, ich ermahne euch; was entsteht, vergeht; ringet ohne Unterlaß! Nach dem Tode Buddhas wurde sein Leichnam verbrannt und die Asche unter verschiedene Fürsten verteilt. Durch seine Lehre wurde Buddha ein Kulturträger für den Orient und der Stifter einer Religion, die heute mehr als 500 Millionen Bekenner zählt. Buddhas Prophezeihung, sein Orden werde nur fünfhundert Jahre dauern, hat sich als falsch erwiesen, denn seine Religion dauert schon zweieinhalb Jahrtausende, und es gibt Religionsforscher, die in ihr die Religion der Zukunft sehen. Buddha war nicht wie Jesus ein Erlöser und Heilsbringer, der die Menschen aus ihrer Not erlösen wollte. In der Zeit seines Auftretens litten die Menschen in Indien keine Not. Buddhas Erfolge haben einzelne auf seinen Kampf gegen das Kastenwesen zurückführen wollen. Allein Buddha war auch kein sozialer Reformator. Das Kastenwesen hat er gar nicht bekämpft, sondern nur Liebe unter den Menschen verschiedener Kasten gelehrt. Seine Anhänger kamen aus den niederen Ständen, aber auch aus dem Adel. Buddha selbst fühlte sich als Adliger und sah es gern, wenn sich Adlige ihm anschlossen, weil er glaubte, daß das Ansehen seines Ordens dadurch erhöht werde. Buddha war auch in seinen Lehren nicht originell. Seine Lehren hat er vielmehr den indischen Denkern entlehnt, aber er hat die Gedanken der Denker und Weisen in ein volkstümliches Gewand gekleidet und in das Volk hineingetragen. Die Ursache seines Erfolges lag in dem Adel seiner Persönlichkeit und in der volkstümlichen Art, in der er seine Lehren vortrug. 21