Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Buddha und Moses
Date
1923-01-01
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3111067-3111116-3118049--6435-3118084
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

enthalten: Alles ist Leiden. Geburt, Krankheit, Tod, die Vereinigung mit Unliebem, die Trennung von Liebem, das Nichterlangen des Gewünschten, kurz das Haften am Dasein ist Leiden. Was aber ist die Ursache des Leidens? Der Durst nach dem Leben. Was ist Gesundheit? Freisein vom Durst nach dem Leben. Was ist die Heilung? Sich befreien können vom Lebensdurst. Wer alle Lebenslust in sich auslöscht, erlangt selige Ruhe.schon auf Erden und wird auch nach dem Tode von der Wiedergeburt bewahrt. Denn die Brahmanen in Indien glaubten damals, daß der Mensch nach dem Tode wiedergeboren werde und seine Seele durch viele Leiber wandern müsse. Buddhas Verheißung aber war: Wer sich zu meiner Lehre bekennt und von dem Lebensdurst befreit, der erlangt das Nirvana, den Zustand des Ausgelöschtseins, der Sünd- und Leblosigkeit; er erlangt selige Ruhe nicht nur auf dieser Welt, sondern auch nach dem Tode und wird nicht wiedergeboren. Bei seiner ersten Predigt hatte Buddha fünf Zuhörer. Bald hatte er sechzig Anhänger, die gleich ihm Mönche und Bettler wurden. Die Bekehrten sandte, Buddha aus die Wanderschaft und befahl ihnen, daß sie nicht zu zweien, sondern einzeln auszögen, damit seine Lehre sich schneller ausbreite. Es gelang Buddha, tausend Brahmanen zu bekehren. Vor ihnen hielt er auf einem Berge seine zweite Predigt, die sogenannte buddhistische Bergpredigt. Ihr Inhalt ist etwa folgender: Alles steht in Flammen, das Auge, das Ohr, der Geist; der edle Mensch aber wird aller Eindrücke überdrüssig; er überwindet die Leidenschaften und die Lebenslust und wird frei und erlöst. Buddhas Lehre ist der höchste Pessimismus: Alles, was existiert, ist den Leiden unterworfen. In gleichem Geiste meint einmal Schopenhauer: Unsere Existenz ist ein Rätsel; nichts aber ist in dieser Existenz so klar wie ihr Elend und ihre Nichtigkeit. Religion ist bei 2* 19

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.