Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 25 (1923-1924)
- Article
- Rückblick auf 5682 und 5683
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 3)
- Language
- German
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hat. Die so Hinauskomplimentierten begründeten denn auch sofort eine neue Partei, eine Art Dreimännerpartei, der sie unter schnödem Mißbrauch eines freilich nur zu oft entweihten und geschändeten Wortes, den Namen „Deutsch-Völkische Freiheitspartei" gaben. Es hat dem immer wüster sich gestaltenden Treiben der Radau-Antisemiten auch nicht viel Eintrag getan, daß von ihren wildesten Stimmführern einer nach dem andern sich unmöglich machte, oft auch einer vom andern abgetan wurde. Vom Knüppel-Kunze sind viele der extremsten Judengegner abgerückt und der „Deutschnationale Volksfreund" nahm Anlaß, vor ihm zu warnen. Der famose Herr Dr. Dinier, der andauernd mit Zitaten aus dem Talmud hausiert, in dem er nicht ein einziges Wort lesen kann, ist vielfach arg zerzaust aus den Gerichtssälen geschieden. Der Mann der vielerlei Sünden, der „Sünde wider das Blut", der „Sünde wider den Geist", „wider die Liebe" — wie sehr seine Bücher auch Sünden wider den Geschmack, wider den Verstand und wider die guten Sitten sind, das ahnt er gar nicht — ist von der katholischen Kirche „als Verbreiter von Irrlehren" ausgeschlossen worden. Kaplan Murawski in Egeln, der in einer scharfen Zurückweisung des Dinterschen Treibens jene Tatsache mitteilt, bemerkt dazu: „Katho.lisches Christentum und Antisemitismus vertragen sich nicht". Wie nach der moralischen, so sind die Apostel des Judenhasses auch nach der literarischen Seite als traurige oder grotesk-komische Helden auf der Arena erschienen, aus der sie sich freilich noch immer tummeln. Der Stallknechtston, in dem sie schreiben, entspricht ihrer Stallknechtsbildung. Für diese Bildung ist es bezeichnend. daß einer dieser Prediger des Judenhasses im Münchener „Völkischen Beobachter" nach Wiedergabe einiger Sätze von Nietzsche in den Wutschrei ausbricht: 10