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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 11

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Rückblick auf 5682 und 5683
Date
1923-01-01
Page
Seite 11 (sequence 4)
Language
German
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„So schreibt eine jüdische Canaille unter dem N a m e n N i e tz s ch eDen Namen Nietzsches, dieser „jüdischen Canaille" hat der Verfasser vorher offenbar noch nie gehört. Ehren-Kunze spricht einmal vom „Juden Strindberg",und ein anderer dieser Gekehrten nennt den Stock-Russen Bakunin einen Juden. Die sittliche Eignung zum schriftstellerischen Wirken entspricht genau der literarischen. So kann es kommen, daß ein antisemitischer Soldschreiber in der Maske eines Juden allerlei hirnverbranntes Zeug zusammensudelt, mit dem dann, wie mit der blöden Fälschung der „Weisen von Zion", die Juden belastet und ihres bösen Trachtens überführt werden sollen. „Die siegreiche Weltanschauung und wir Juden" so nennt sich das faule Kukuksei, das ein Anonymus unter dem Decknamen Pentha Tüll den Juden ins Nest schmuggelte — ein antisemitischer Baumeister, wie sich bald herausstellte. Anlaß zu Anfeindungen ergaben sich auch aus dem schwierigen Kapitel der Ostjudenfrage. Die Menschlichkeit, der Anstand gebot zunächst, Flüchtlinge, die aus einem brennenden Hause sich retten — und die gewaltsame Umgestaltung des zaristischen Rußlands in eine Sowjetregierung machte aus dein weiten Reiche ein brennendes Staatsgebäude — gastlich auszunehmen. Dergleichen galt von je als Ehrenpflicht der Kulturländer. Es soll nun nicht geleugnet werden, daß der Zudrüng der Ostjuden auch seine verdrießlichen Wirkungen hatte. Wirkungen, die in erster Reihe die jüdischen Gemeinden, namentlich in Berlin spüren. Aber mit wie unverantwortlich krasser Uebertreibung ist dieser Zuzug aus dem Osten von „völkischer" Seite in den grellsten Farben abschreckend dargestellt worden! So daß die Reichsregierung sich bemüht sah. in der Denkschrift Nr. 8 von 1922 dem Deutschen Reichstag das Ergebnis der amtlichen Feststellungen über den Zuzug aus dem Osten mitzuteilen. 11-

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