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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1923-01-01 · 25 (1923-1924) · p. Seite 9

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
25 (1923-1924)
Article
Rückblick auf 5682 und 5683
Date
1923-01-01
Page
Seite 9 (sequence 2)
Language
German
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lautete die Antwort. Dazu kommt, daß während eines mehr als vierjährigen Krieges eine Jugend ohne väterliche Erziehung oder Aufsicht, unter Soldaten-, Kriegs- und Kampfspiel heranwuchs. Da ist es denn nur natürlich, daß die öffentliche Sicherheit in der A b n a h m e, die Roheit in der Zunahme begriffen ist, daß Betrügereien, Einbrüche, Morde sich erschreckend mehren, genug, das unser Kultur- und Sittlichkeitszustand sich verschlimmert, unser öffentliches und politisches Leben sich verhäßlicht hat. Wie sollte da nun der Antisemitismus allein eine Ausnahme machen? In allen seinen Schattierungen hat der Antisemitismus unter den verderblichen Folgen der Kriegszeit an Verbreitung wie an Verrohung zugenommen. Sogar seine vornehmste Vertretung, der theoretische Katheder »Antisemitismus, der noch in einigen sehr wenigen Exemplaren vertreten ist, der bedenkliche, platonische Antisemitismus, derjenige der die eigenen Freunde ausnimmt oder der uns das vermeintliche, das abstoßende Kompliment macht: „Ja, wenn alle Juden so wären wie Sie!" — jaus solche Talmi- Schmeichelei antwortete Berthold Auerbach einmal selbstbewußt-stolz: „Wenn alle Christen so wären wie ich wärs auch sehr schön") diese Spielarten und Falsch-Spielarten alle, sind um einige Grade unangenehmer geworden. Der agitatorische Feder-Antisemitismus ist bis zum Knüppel- oder Dreschflegel-Stil entartet und der Antisemitismus der Gasse wurde zu einem Antisemitismus der Goss e. Die Pogrom-Hetze, deren sich vor wenigen Jahren der wildeste Judenfeind geschämt hätte, macht sich jetzt schamlos breit. So abstoßend, daß sogar die Deutschnationale Partei ihrerseits die Vertreter dieses Pogromstils abgestoßen hat, die Mulle und Konsorten, denen die Partei, die doch sonst über den Judenhaß den Mantel der christlichen Liebe zu breiten pflegt, den Stuhl vor die Türe gesetzt 9

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