Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Adolf Zellinek
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 131 — Verdienstvolle, aber undankbare Geschäft <zuf sich genommen: „Scherbenaufzuheben, unter denen Andere die Perle dann gefunden haben", wie eine talmudische Metapher derartiges ausdrückt. Es wird daher sehr schwer, seine mnbestreitbaren wissenschaftlichen Verdienste nach Gebühr zu würdigen, und die Gefahr liegt nahe, seine Leistungen in dieser Hinsicht zu unterschätzen. Während er auf homiletischem Gebiet selbst Trivialitäten neuen, frischen Reiz einzuflößen wußte und Funken jener schöpferischen Originalität. welche man mit dem undefinierbaren, vieldeutigen 'Begriff „Genie" bezeichnet, aus seinen Predigten -allenthalben hervorsprühen, verläßt ihn bei wissenschaftlichen Darbietungen diese hohe Himmelsgabe, selbst bei solchen, welche man noch heute als bedeutsam gelten lassen muß; in seinen gelehrten Arbeiten, namentlich in philosophischen und kritischen Abhandlungen, Vorreden und Einleitungen vermißt man Saft und Kraft, er kommt über gelehrte Einzelheiten, geistvolle Subtilitäten nicht hinaus. Es fehlt ihm an Konzentration, an der Geduld und Ausdauer, ohne welche kein echt wissenschaftliches Werk, selbst im kleinen, ausreifen kann. Als sein bestes Buch, das aus dem Zug seiner geistigen Veranlagung hervorgegangen ist und daher noch heute als interessant und lesenswert empfohlen werden bars, verdient „Der jüdische Stamm" (Wien 1869) hervorgehoben zu werden. Trotz der philosophischen Aufmachung, mit der es sich einführt, enthält es wohl sehr schöne. und treffende Gedanken über den Stammcharakter Judas, auch feinsinnige Deutungen von aggadischen Sprüchlein und Parabeln, aber es bietet nur Werken veranlaßt, ohne deren eigenen Besitz ein sorgfältiges Studium sehr erschwert wird, während durch den Neudruck ein Ankauf möglich wurde. So hat er den Neudruck von Saadiahs „Emunoth wedeoth" zum mindesten veranlaßt (Leipzig 1859), hat das „Milchamoth Haschern" des Gersonides, trotz des Neudruckes <em noch heute seltenes Buch, wahrscheinlich selbst herausgegeben (Leipzig 1866); ebenso war er bei dem Druck der „Nesponsen und Briefe" des Maimonides (Leipzig 1859) beteiligt. 9*