Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Adolf Zellinek
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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130 jungen Theologen die homiletischen Wege weisen und die trefflichen Musterbeispiele bieten, nach denen sie sich bilden können. Sie könnte auch dem Laienpublikuni als eine überaus anziehende und anregende und belehrende Lektüre empfohlen werden, um unsere Gegenwart, wo die Kenntnis des früheren Judentums so sehr geschwunden ist, über die rabbinischen Grundanschauungen, Glaubenssätze und Sittenlehren zu orientieren. Geschickt geordnet, würde diese Predigtsammlung -dem Volk und namentlich dem gebildeten Teil zur erbaulichen Postille dienen können und für die Gegenwart das bedeuten, was dem jüdischen Mittelalter der -nxon nTDD „der Leuchter mit dem Licht" *) geleistet hat. Jellineks gedruckte Predigten werden immer seltener, darum wäre es eine Ehrenpflicht, welche nicht dlos die österreichische Judenschaft, auf die er einen außerordentlichen Einfluß geübt hat, sondern auch die deutsche Judenschaft überhaupt dem Meister der deutschen Synagogenrede schuldet, auch seine nachgelassenen und verstreuten Reden zu sammeln und sie sämtlich durch eine billige Volksausgabe allgemein zugänglich zu machen. 2. Wenn vorhin Jellinek als eine „Leuchte der jüdischen Wissenschaft" gerühmt wurde, so bedarf dies doch einer näheren Erklärung und mutz auf das richtige Maß zurückgeführt werden. Er war dies eigentlich mehr in rezeptivem. Sinne, als im schöpferischen Geist, d. h. er verfolgte ebenso aufmerksam wie verständnisvoll alle wichtigen Neuerscheinungen und pflegte an sie einzelne Bemerkungen und Aperyüs zu knüpfen, — er hat ferner zahlreiche handschriftliche Funde aus der dunklen Verborgenheit der Bibliotheken ans Licht gezogen und alte, fast verschollene Druckschriften der Öffentlichkeit wieder erschlossen, allerdings ohne die in solchen Fällen nötige Sorgfalt stets walten zu lassen?) Er hat eben das ’) Der Titel ist frei, nicht wörtlich übersetzt. 2) Gerade durcb diese Editionen hat er sich die theologisch strebsame Jugend zu Dank verpflichtet. Er hat den Druck von Haupt-