Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Adolf Zellinek
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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— 129 ander zusammengefügt werden, daß aus ihrem Mosaik ein Zauberspiegel ersteht, aus dem zeitgenössische Völker, Parteien und Persönlichkeiten unverkennbar herausschauen, ohne daß irgend ein Name genannt wird. Der Grundton, auf den alle Homilien des Wiener Kanzelredners mehr oder weniger gestimmt sind, ist die Apologie des Judentums, maßvoll in der Polemik, vornehm in der Haltung, von einer reichen und reifen Gelehrsamkeit getragen. Wer sich in der jüdischen Apologetik unterrichten will, gleichviel ob gelehrt oder ungelehrt, findet in ihnen, allerdings vielfach verstreut, nicht nur das Ouellenmaterial, das er leicht hier sammeln kann, sondern auch eine ausreichende Erklärung und meist, wo es not tut, eine geistvolle Deutung. Die. Tendenz, von der Jellinek in seiner Predigtweise sich leiten läßt, geht auf Belehrung aus, Belehrung über das Wesen des Judentums, über seine herrschenden Ideen, über seine Geschichte. Er suchte durch das Medium des belehrenden Wortes auf das Gemüt zu wirken und verstand es, durch seine ebenso lehrsamen, wie anziehenden Darlegungen, Herz und Seele seiner Hörer zu ergreifen, der von Zeit oder Gelegenheit gegebenen Stimmung zu entsprechen und dadurch die erschütternde und erhebende Auslösung der Gefühle, wenn man so sagen darf, eine Katharsis des inneren Menschen herbeizusühren. Darauf beruht eben der bleibende Wert seiner sämtlichen Predigten, daß es im Grunde populäre Vorträge sind, in denen ein Meister des Wortes und eine Leuchte der jüdischen Wissenschaft die rednerischen Freiheiten der Kanzelrede zu einer lichtvollen und anschaulichen Darstellung der jüdischen Weltanschauung benutzt?) Eine Sammlung seiner sämtlichen Predigten mit ihrem Reichtum an Gedanken uud Stoffen würde in erster Reihe auch den erfahrenen Theologen zu gute kommen, ihnen neue Impulse und Bereicherungen bieten, besonders *) Bewundernswert ist, daß er sich in den so zahlreichen Predigten niemals wiederholt, in Wort und Inhalt jeder einzelnen Rede stets neu und originell bleibt. Jahrbuch 1921. 9