Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Dante und Manoello
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 120 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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— 120 — Länder, Kronen. Sprachen und Wissenschaften besungen sind, und den Wunsch ausdrückt. Ähnliches in hebräischer Sprache zu lesen, worauf der Dichter ihm vor Tagesende eine solche Dichtung verspricht und auch liefert. Auf diese Weise entstand eine ganz seltsam bunte Aufzählung der verschiedensten Künste und Fertigkeiten, die der Dichter sich in allen Gebieten menschlicher Tätigkeit zuschreibt; eine rechte innere Ordnung ist nicht wiederzufinden, er läßt sich von den Reimen und gewissen Gedankenverbindungen leiten, das Gedicht übt aber durch seine bewundernswert lebhafte Phantasie, durch verteufelten und unerbittlichen Witz einen außerordentlichen Reiz aus. Das „christliche" Musterbild dieser Dichtung hat man überall in der Welt gesucht, sogar im Tezaur des Provenzalen Peire de Corbiac, aber sicher mit Unrecht?*) Der Provenzale bemühte, sich eine ernstgemeinte Dichtung mit enzyklopädischer Verarbeitung aller Wissenschaften zu liefern, während es Immanuel nur auf Scherz, nur auf einen Lacherfolg beim Leser der so seltsamen Vielseitigkeit ankommt. Dies ist aber der Charakter einer andern mittelalterlichen Literaturgattung, des „Selbstlobs", und ich glaube bestimmt nicht fehlzugehen, wenn ich als Musterbild Immanuels eine jener Dichtungen in italienischer Sprache vermute, die zuerst von Pio Rajna unter dem Titel „Serventese del maestro di tutte rartit82) uud dann in andern Redaktionen veröffentlicht wurde. Es ist genau dieselbe Sache, die wir bei Immanuel finden, das Eigenlob, allerlei ganz seltsame Dinge, die dem phantastevollen Verfasser gerade durch den Kopf schießen, zu kennen und leisten zu können. Auch die metrische Form, die Immanuel" hier in die hebräische Poesie, einführt, stimmt mit der dieses „Serventese" überein. Auch hier scheint übrigens Immanuel seinem Gedicht den Stempel 31) Sacerdote, Tha ninth Mehabbereth o! Emanuele da Roma and the Tresor of Peire de Corbiac, London 1895 (SA. au§ JQR); vgl. Steinschneider Letteratura italiana dei Giudei in Buonaroti, 1876, S. 85, n. Güdemanns Gesch. des Erziehungswesens u. s. w. II, S. 130 Anm. 1. 32) Zertschr. f. romanische Philologie V, S. 1 ff.