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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1921-01-01 · 24 (1921-1922) · p. Seite 119

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
24 (1921-1922)
Article
Dante und Manoello
Date
1921-01-01
Page
Seite 119 (sequence 30)
Language
German
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119 Beatricens (V. N. XXIII), wie den äußern Zeichen der allgemeinen Trauer um den Tod jener Frau, die schließlich auf eine gemeinsame biblische Quelle zurückgehen könnten, berührt er sich ganz ausfallend mit Dantes Vorbild in der ersten Terzine: „O mein Stern! Um deinetwillen sehne ich den Tod herbei: wie süß ist er, der dir so nahe gekommen ist! Wie ausgezeichnet ist der Tod, da er meinem Sterne sich vereint hat". Fraglos ist dieses Lied von Dante inspiriert, wenn nicht gar übersetzt: „O Tod, wie süß erscheinst du mir; wie ausgezeichnet mußt du jetzt sein, da du meiner Frau dich vereint hast". Genau derselbe Gedanke findet sich dann, nur nach dem Stile der hebräischen Meliza breit ausgeführt, in einer ausgedehnten Elegie in gereimter Prosa (XXIV, S. 190 b), die Immanuel auf den Tod einer ihm bekannten jungen Sara verfaßte. Greifen wir hier die Stellen heraus, die für unfern Vergleich besondere Beachtung verdienen: „Bisher war der Tod von allen verachtet und gehaßt; jetzt aber, seitdem er Sara nahegekommen ist, wurde er ersehnt und allgemein beliebt. . .Besser ist's mit Sara im Tode, als ohne sie im Leben zu stehen". — Der Tod, so fährt Immanuel fort, meinte Sara zu erniedrigen, in Wirklichkeit hat sie ihn erhoben; die Engel tragen ihre Seele in den Himmel. Ebenso singt Dante auf den Tod Beatrices: „Die Engel, welche nach dem Himmel oben zurückkehrten und eine Wolke vor sich her hatten", und ein andermal „Mir scheint's, daß der Himmel sich öffnet und Gottes Engel herniedersteigen, um jene heilige Seele nach oben zu tragen, zu deren Ehren dort im Himmel Lieder angestimmt werden " Sollten immer noch Zweifel über die Abhängigkeit Immanuels von Dante und der zeitgenössischen italienischen Literatur bestehen, so braucht man nur auf ein Gedicht in der 9. Makame zu verweisen (74 ff.), in welcher die Entlehnung aus dem Italienischen vom Dichter selbst angegeben ist. Er erzählt uns, daß sein „Fürst", höchstwahrscheinlich ein reicher Mann, bei dessen Kindern er Hauslehrer war, eines Tages seine Aufmerksamkeit auf eine „christliche" Dichtung lenkt, in der alle Gewerbe.

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