Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Dante und Manoello
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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— 115 — Ausführung seiner künstlerischen Idee und in zahlreichen Einzelheiten gefolgt ist. Beachtet man all die zahlreichen und vielfachen Parallelen, welche unsere Vergleichung aufgezeigt hat, so ergibt sich deutlich, daß es Immanuels Absicht war, die hebräische Literatur um eine Dichtung zu bereichern, die in außerordentlich verkleinertem Maßstabe eine Vorstellung von Dantes Werk zu geben vermochte, etwas, was neben der „Göttlichen Komödie" stehen konnte, wie sein oberflächliches und leichtbeschwingtes Genie neben dem erhabenen Genius Dantes stand. Ich glaube nicht, daß man ihm die törichte Anmaßung eines Wetteifers mit Dante zuschreiben darf, daß er meinte, ein Werk schaffen zu können, das der „Göttlichen Komödie" sich würdig vergleichen könnte. Er war viel zu klug, um nicht zu empfinden, daß er einer solchen Aufgabe nicht gewachsen war und daß seine geringe Ausdauer niemals zu jener geistigen Anstrengung fähig war, die zur Abfassung eines groß angelegten Kunstwerks wie die „Göttliche Komödie" nötig ist. Eine kleine, leichte und kurze Dichtung, die man in wenigen Tagen in einem Zuge hinwerfen konnte, wo in den Hauptzügen der wesentliche Inhalt der „Göttlichen Komödie" zusammengesaßt, die Idee oberflächlich berührt und nicht geistig tief durchdacht war — das ist's, was Immanuel zu bieten vorhatte und was er wirklich geboten hat. III. Die Abhängigkeit Immanuels von Dante beschränkt sich nicht auf die Vision vom Jenseits, sondern ist auch in andern Teilen von Immanuels Diwan durchaus deutlich. Von einem Ende zum andern, mitten in den Versen oder in der gereimten Prosa von streng orientalischer Anlage und Durchführung, bemerkt man hie und da Stellen oder ganze Dichtungen, die zwar in hebräischer Gewandung vorliegen, aber ihrem Inhalt nach rein italienisch sind. Unter den italienischen Vorbildern, besonders für die Liebeslieder, die in den „Mechabberoth" eine so bedeutende Stelle einnehmen, gebührt Dante einer der ersten Plätze, wenn nicht