Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Dante und Manoello
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 110 — zwischen steht. Die Erinnerungen an Dante sind besonders häufig in der Einleitung, die inhaltlich dem ersten Gesang des Inferno entspricht. Die Verwirrung des Dichters, seine Unruhe, seine Tränen, sein Gefühl, in den Abgrund des Verderbens gestürzt zu werden, seine bis zur Raserei getriebene Angst, die eigene Seele nußer durch ein Wunder vom Himmel nicht retten zu können, der verzweifelte Aufschrei zu Daniel, die plötzliche Erscheinung dieses Himmelsboten, dessen Aufforderung «inen anderen Weg einzuschlagen und das Angebot der Führerschaft auf demPfade der Errettung, dieZustiminung, die Bitte des Dichters, ihn durch Himmel und Hölle zu sühren, das erneute Versprechen Daniels und der Beginn der einem Irdischen versagten Reise hinter dem guten Führer her — alle diese Einzelheiten rufen uns. unmittelbare Erinnerungen an den ersten Gesang von Dantes Inferno ins Gedächtnis. Die Erscheinung Daniels in Gestalt eines majestätischen verehrungswürdigen Greises erinnert in einigen Zügen auch an die Erscheinung Catos am Anfang des Purgatorio. Die Worte der Aufmunterung, die Daniel dem noch immer zitternden Dichter zuruft, sind der Widerhall von Virgils Liede im 2 Gesang des Inferno (121 ff.) und der Hinweis Daniels auf den höheren Willen, der zur Beseitigung der Gewissensnot des Dichters beschlossen hat, ihm die beseligenden Geheimnisse des Jenseits zu enthüllen, und ihn daher zu seinem Beistand entsandt hat, kann nicht verfehlen, an die Erscheinung der drei gebenedeiten Frauen nm 2. Gesang des Inferno und an die Sendung Virgils zur Unterstützung Dantes zu erinnern. Die Analogie bleibt weiter offenkundig zwischen der Fortsetzung von Immanuels Vision und dem 3. Gesang des Inferno. Kaum beginnt Immanuel, die Hände an den Mantel seines Führers gefaßt, den schmerzvollen Weg nach „dem Lande der Dürre, des Todesschattens und der Verwirrung", durch „den schlüpfrigen und finstern Weg in dichtester Dunkelheit", da hört er mit eins „Schreie, wie die einer Gebärerin, Wehklagen, wie den einer Erstgebärenden" (220b); ganz ähnlich wie