Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Dante und Manoello
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 104 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 104 — gewesen ist. Daß man mit derselben Methode zu zwei einander ausschließenden Folgerungen gelangen kann, beweist schon ihre Verkehrtheit. In Wahrheit handelt es sich um Elemente, die weder ausschließlich islamisch noch ausschließlich jüdisch oder christlich sind, sondern ganz allgemein dem Mittelalter und dem populären Denken der Anhänger der drei Religionen angehören; sie sind aus verwandten, zu einander in Beziehung stehenden Umgebungen hervorgegangen und sind nichts anderes als Folgerungen aus altorientalischen Anschauungen. Selbstredend begegnet man daher in der Dichtung Immanuels einigen Parallelen zur islamischen Eschatologie, niemand aber wird darauf besonderes Gewicht legen, denn auch hier handelt es sich um gemeinsame Quellen. Wenn sich z. B. in der Art der Zumessung der Höllenstrafen und in der Schau der Seligkeit des Paradieses Parallelen feststellen lassen, so finden sich alle diese Parallelen bereits in der hebräischen Literatur vor Immanuel^), und es liegt nicht die geringste Notwendigkeit zur Annahme einer Abhängigkeit von den Arabern vor. Die Analogien zwischen Immanuel und den islamischen Autoren finden genau dieselbe Erklärung wie die mit der „Göttlichen 22) Als Beispiel sei angeführt: der allgemeine Grundsatz der Wiedervergeltung und einige besondere Anwendungen dieses Grundsatzes, wie die Strafe der Blindheit für ungerechte Richter sowie für diejenigen, die sich ihrer Wissenschaft uicht zum Gemeinwohl bedienen, die Strafe des Aufhängens an der Zunge für Sünder mit Worten, ferner die abwechselnd im Feuer und Eis erfolgte Aufstellung verurteilter Seelen, die Strafe durch Schlangen- oder Skorpionenbisse, die lange Leiter, die zum Paradies führt; die stufenweise aufgestellten Sessel für die verschiedenen Seelen; der Sessel für den Dichter, das Paradies aus reinem Lichte; das Schauen der göttlichen Majestät als höchster Lohn der Seligen; die Verpflichtung, zu Nutz und Frommen der Lebenden die Vision mitzuteilen svgl. Asm S. 13, 122 Anm. 1, 155. 362. 138 Anm. 3, 139Anm.;3. 362, 55 f., 194 f., 202, 12, 29, 31 ff. 204 ff., 179, 363; zur Frage der Himmelsleiter vgl. auch Lsvsu in Studien zur fem. Philologie u. Religionsgefch.. Jul. Wellhausen gewidmet, Gießen 1914, S. 51 ff). Jeder Kenner der hebräischen Literatur des Mittelalters weiß, daß alle diese Elemente sich in ihr finden; um mich nicht in Zitaten zu verlieren, will ich nur an die eschatologischen Auslegungen in Jellineks Beth ha-Mldrasch und im Zohar verweisen.