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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1921-01-01 · 24 (1921-1922) · p. Seite 103

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
24 (1921-1922)
Article
Dante und Manoello
Date
1921-01-01
Page
Seite 103 (sequence 14)
Language
German
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— 103 — heit erhalten und verbreitet haben. Wenn sich auch bei den kirchlichen Schriftstellern jene alten Anschauungen nicht wiederfinden, so will das nicht sagen, daß sie im volkstümlichen christlichen Denken nicht fortlebten, so daß Dante sie von dorther nehmen konnte. Wir dürfen demnach gemeinsame Quellen und eine parallele Entwicklung vermuten, keineswegs aber Entlehnung und Nachahmung; die Daten aus gemeinsamen Quellen, die in einer trotz aller Verschiedenheit so gleichartigen Umwelt, wie Christentum und Islam im Mittelaltergewesen sind, inparallelerEntwicklung herausgearbeitet wurden, mußten notgedrungen zahlreiche, oft überraschende Berührungspunkte Hervorrufen. Man kann auch sagen, daß Asm, weil er zu viel beweisen will, am Ende garnichts beweißt. Wenn er zahlreiche islamische Parallelen nicht nur zur „Göttlichen Komödie", sondern auch zu allen vordanteschen christlichen Darstellungen des Jenseits innerhalb und außerhalb Italiens aufsucht und nachspürt, beweist er, daß jene bestimmten Gedanken, die er als spezifisch islamisch betrachtet, schon vor Dante in das Bewußtsein aller christlichen Länder übergegangen waren, so daß Dante garnicht mehr nötig hatte, bei den Arabern zu suchen, was rings um ihn weit verbreitet war. Andererseits, wenn man wirklich zugeben will, daß Dante aus islamischen Autoren schöpfen mußte, können wir keineswegs erkennen, auf welchem Wege Dante sich ihre Kenntnis aneignen konnte. Diejenigen Wege, welche Asm vermutet, sind überaus seltsam und unwahrscheinlich, und reichen in keiner Weise dazu aus, eine so überreiche und ständige Zahl von Parallelen im einzelnen zu beweisen; eine solche kann man sich nur'durch direkte Benutzung der Quellen aneignen und dies wagt niemand anzunehmen. Wer über viel freie Zeit verfügte, könnte mit Leichtigkeit einen ebenso umfangreichen Band wie Asm Palacios mit einer Darstellung der Parallelen zwischen der „Göttlichen Komödie" und der jüdischen Eschatologie aussüllen. Daraus könnte er dann nach genau derselben Methode beweisen, das Dantes hauptsächlichste Quelle die jüdische Eschatologie des Mittelalters

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