Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Dante und Manoello
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 102 — ihnen, für die Allegorie seiner Dichtung, und überdies für zahlreiche Einzelheiten, den Spuren des mystischen und eschatologischen Schrifttums des Islams folgt und daß dieses als die Hauptquelle seiner Dichtung, zu betrachten ist. Er untersucht weiter, durch welche Kanäle die Kenntnis der islamischen Eschatologie Dante erreichen konnte, und sieht gerade in Immanuel, den auch er als „Freund Dantes" bezeichnet21), einen der möglichen Vermittler dieser Anschauung. Ich muß gestehen, daß ich trotz aufmerksamen und sorgfältigen Lesens des sehr gelehrten. Werkes von Asm durchaus ungläubig geblieben bin. Bei aller Bewunderung für die.ausgebreitete Gelehrsamkeit des Verfassers und voller Anerkennung der wertvollen Bereicherung unserer Kenntnis der islamischen Eschatologie, die sein Buch bringt, halte ich seine Grundanschauungen für nicht überzeugend. Freilich, wie man auch immer zu dem Buche stehe — und das scheint der Verfasser nicht genügend zu beachten — käme bei dieser ganzen Erörterung überhaupt nur das in Frage, waK man die äußere Form der „Göttlichen Komödie" nennen kann, und nicht was tatsächlich die unvergleichliche Schöpfung von Dantes Genius bedeutet; der in der gesamten islamischen Eschatologie nichts an die Seite gestellt werden kann. Aber, auch wenn man die rein äußerlichen Elemente in Betracht zieht, scheint mir eine wirkliche Abhängigkeit Dantes von den Dichtungen im Islam kaum warscheinlich. Die Parallelen, welche Asm in reicher Zahl vorführt, sind zumeist weit hergeholt und wenig beweiskräftig. Und wenn auch einige auf den ersten Blick überraschen, so beweist das mehr für die Kunst und die Geschicklichkeit des Darstellers als für den inneren Wert seinerGründe.Wo unbestreibarAnalogien vorliegen, handelt es sich meistens um Gedanken, die keineswegs im Islam zu Hause sind, sondern durch Jahrhunderte und- Jahrtausende bis aus ganz alte babylonische Anschauungen zurückgehen, die sich durch Vermittlung der iranischen und jüdischen Welt im Islam ebenso wie in der Christen- 2') A. tt. O. S. 323, Anm. 1.