Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Dante und Manoello
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 99 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 99 Werden, wenn es in gleicher Weise voraussetzt, was durchaus nicht sicher ist, daß auch im Fegefeuer Dante und Immanuel einander benachbart sind, wie sie nach Cinos Versen in der Hölle benachbart wären. Wir kommen demnach zu dem Schluß, daß, soweit uns heute Beweismaterial vorliegt, persönliche Beziehungen zwischen Dante und Immanuel nicht existierten und daß die zahlreichen Behauptungen dieser Freundschaft ihren Wert nur haben als interessantes Beispiel für die Lebensdauer solcher gelehrter Jrrtümer. Was hingegen über allen Zweifel erhaben ist, — freilich legt niemand Wert darauf, weil es auf die Mehrzahl der Menschen nicht den genügenden Eindruck macht, während es für den Erforscher der Kulturgeschichte und der Beziehungen zwischen jüdischem und christlichem Geistesleben nicht minder große Bedeutung hat — ist die Tatsache, daß Immanuel wirklich ein guter Freund von Cino da Pistoia und Bosone da Gubbio gewesen ist. Für Bosone redet das anläßlich des Todes Dantes an Immanuel gerichtete Sonett eine genügend deutliche Sprache. Noch schwerer fällt ins Gewicht, das ein Zeitgenosse Bosone anredet „dein Manoello". Was Cino da Pistoia betrifft, so bezeugen seine Verse an Bosone, daß er am Hinscheiden des jüdischen Dichters wirklich ernsten Anteil nahm, und wenn er ihm gleich im Jenseits ein trauriges Schicksal zuschreibt, so bezeugt er ihm doch eine gewisse Sympathie wie Dante, dessen intimer Freund, wie wir wissen, Cino gewesen ist. Ein noch entscheidenderer Beweis ist in dem Sonett zu erblicken, daß Cino an Immanuel richtete, um seinen Schmerz über den Tod seiner Geliebten Selvaggia Vergiolesi1S) Ausdruck zu geben. Manch einer wollte eine Anspielung an Jmmanuel und an seine Vision vom Jenseits auch in Cinos Sonett „In fra gli altri difetti dellibello“, aber dafür 13) Nach Zaccagnini, Cino da Pistoia, Studio biografico, Pistoia 1916, S. 134, wurde das Sonett auf Veranlassung einer anderen Persönlichkeit, vielleicht irgend eines hohen Herrn, dem Immanuel geschmeichelt hatte, verfaßt; wie dem sei, unsere Behauptung wird davon nicht berührt. 7*