Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Dante und Manoello
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 6)
- Language
- German
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braucht haben. Erinnern wir uns daher, daß Immanuel in der dritten Mechabbereth den Tod einer Frau in Fermo berichtet, die er geliebt und mehrfach in Versen gefeiert hat. Nach der Chronologie im Leben Immanuels, die ich anderwärts auf neuer Grundlage festgestellt habe?), traf ihn dieser Schmerz eben um 1321. Es ist daher mehr als wahrscheinlich, daß Bosone, wenn er vom Heimgang der von Immanuel so sehr gerühmten Schönheit spricht, diese Frau im Auge hat. Bosone hebt gegenüber Immanuel hervor, daß ein trauriges Geschick gleichzeitig eine Leuchte der Weisheit und eine Leuchte der Schönheit hingerafft hat, Dante, dessen Tod er selbst beweint, und das von Immanuel geliebte Weib, dessen Tod dieser schmerzlich beklagt^). Es weine, so fährt er fort, der Jude Immanuel zunächst ob seines eigenen persönlichen Unglücks, sodann ob des Leids, das die ganze Welt betroffen. Offenbar ist das persönliche Leid der Tod des geliebten Weibes und das allgemeine der Tod Dantes^ Beide Ausdrücke auf den Tod Dantes zu beziehen, ist unmöglich, weil im ganzen Sonett die beiden Unglücksfälle immer gpgenübergestellt sind und auch hier auseinandergehalten werden müssen; es wäre auch unmöglich, gerade hier die Erwähnung des Schlages zu missen, der Immanuel am unmittelbarsten getroffen hat. Auf Bosones wehmütige Verse antwortet Immanuel. daß er in der Tat von. heftigem Schmerz überwältigt ist — unwillkürlich denkt man an den Anfang seiner vierten Makame „Der Tod der Frau, für den ich niemals Trost finde" — und daß Juden und Christen mit vollem Recht ob des Unglücks weinen dürfen, mit dem Gott sie beide gestraft hat. 7) Rivista Israelitica I (1904), S. 188 ff. 8) Daß es sich um eine Geliebte und nicht um die Frau des Dichters handelt, vermutet auch der jüngste Herausgeber der italienischen Sonette Immanuels, A. F. Massera (Kouetti bnrlssobi e realistici dei primi due secoli, Bari, Latezza, 1920 [Scrittori d’Italia] II, S. 136); da ihm der Text der Mechäbberoth nicht bekannt ist, vermag er nicht zu bestimmen, um welche Frau es sich handelt.