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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1921-01-01 · 24 (1921-1922) · p. Seite 87

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
24 (1921-1922)
Article
Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
Date
1921-01-01
Page
Seite 87 (sequence 25)
Language
German
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— 87 — ander zugehören. Niemals auch hat die Beziehung des jüdischen Bewußtseins zur Vergangenheit des Judentums. die Unmittelbarkeit verloren, die allen Inhalt dieser Vergangenheit als eigene Geschichte erlebt. An das Zentrum der religiösen Lebensinteressen schließt sich ein weiterer Kreis des Gemeinschaftsinteresses an, das sich nach den verschiedensten Seiten hin erstreckt. Es gibt im europäischen Westen keine jüdische Kultur mehr, die das Ganze des Lebens umfaßt, aber es gibt innerhalb der religiösen Gemeinschaft des modernen Judentums eine Ausbreitung des jüdischen Interesses auf alle Gebiete des Geistes, eine jüdische Bildungssphäre, welche die Auswirkung jüdischen Lebens über all diese Gebiete hin verfolgt. Für mehr als eine solche jüdische Bildungssphäre ist innerhalb der Diaspora kein Platz. Der Umfang dieser Sphäre aber kann sich außerordentlich verändern, und ebenso kann auch die Intensität der inneren Beziehung zu ihr eine sehr verschiedene sein. Nach beiden Richtungen hin zeigt die bisherige Entwickelung eine ständige Abnahme des jüdischen Faktors iu unserem Leben. Extensiv . wie intensiv verliert von Generation zu Generation unser Leben an jüdischem Gehalt. Hier aber liegt eine der großen Hoffnungen, die sich an das neue Palästina knüpfen. Der jüdische Geist als lebendige Wirklichkeit kann sich einen ganz anderen Platz in unserem Leben schaffen, als es ihm möglich war, solange er nur durch das Medium der Geschichte zu uns sprach. Hebräische Sprache und hebräisches Schrifttum können uns mit viel.unmittelbarerer Macht ergreifen, wenn sie jüdisches Wesen aus dem Geist unserer Zeit heraus zu gestalten vermögen. Neue Freude an allem Jüdischen, neue Liebe zur eigenen Gemeinschaft, neue Festigkeit des jüdischen Bewußtseins wird von einem kraftvoll verjüngten Judentum auch auf die Diaspora übergehen., Was in Palästina an jüdischer Kulturarbeit geleistet 'wird, wird seine Wirkung auch auf die Teile des Judentums ausüben, die primär anderen Kultursphären angehören. Die jüdische Bildungssphäre der Diaspora, von der wir gesprochen haben, wird alles

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