Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111114-3117854--6330-3117967- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Pels, während deren Palästina immer nur einen Bruchteil des jüdischen Volkes umfaßte. Damals aber herrschte innerhalb wie außerhalb Palästinas dieselbe Form der religiös bestimmten Lebensgemeinschaft, deren Geschlossenheit sich nur in gewissen Teilen des hellenistischen Judentums wesentlich gelockert hatte. Eine solche Gleichartigkeit der Gemeinschaftsform ist, wie wir sahen, nicht Wiedeo zu erwarten^. Der geistige Zusammenhang des Judentums der Welt mit Palästina ist indessen auch nicht an sie gebunden. Palästina wird das Zentrum jüdischen Lebens sein, wenn der Geist jüdischer Religiosität in ihm zu neuer Kraft erwächst. Nicht der Fortbestand der alten religiösen Gemeinschaftsform, sondern die innere Macht des religiösen Gedankens im palästinensischen Judentum entscheidet darüber, was dieses für das jüdische Leben der Diaspora bedeuten wird. Daß aber der Zusammen- Hang Palästinas mit der Diaspora nur auf religiösen Grundlage möglich ist, ist so gewiß wie die Tatsache, daß, eine jüdische Diaspora nur als religiöse Gemeinschaft zu bestehen vermag. Auf allen anderen Lebensgebieten wird der Einfluß der umgebenden Volkskulturen den Palästinas notwendig weit überwiegen, dem belebenden und erweckenden Einfluß schöpferischer Religiosität aber wird das- Judentum aller Länder sich gern und willig erschließen. Das besagt nicht, daß dieser Einfluß sich auf das religiöse Gebiet beschränken muß, in dem er seine eigentlichste Kraft entfaltet. Auch das moderne Judentum ist trotz seiner früher dargestellten Entwicklung zur reinen Religionsgemeinschaft etwas ganz anderes geblieben als eine bloße Konfession. Die Gemeinschaft des Stammes und des Blutes macht es zu einem Gebilde ganz eigener Art. Reine Religionsgemeinschaft ist es nur insoweit/ als es außerhalb der religiösen Sphäre seine Angehörigen nicht mehr zu einer jüdischen Gemeinschaft des Geistes verbindet. Niemals aber hat es aufgehört, sie durch die Innigkeit einer persönlichen Lebensgenieinschaft zu verbinden, innerhalb deren der größte Teil ihrer menschlichen Beziehungen verbleibt und deren Glieder durch einen gleichsam verwandtschaftlichen Zusammenhang ein-