Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111114-3117854--6332-3117969- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Große und Bedeutsame, was in Palästina geschaffen wird, in sich aufnehmen. Ueber alle inneren und äußeren Verschiedenheiten hinweg kann auf solcher Grundlage sich eine , echte Einheit des Geistes in der jüdischen Gesamtheit aufbauen und ihr die jüdische Prägung zurückgeben, die sich in den letzten Generationen so bedrohlich verwischt hatte. » Wir werden so wieder zu dem Gedanken zurückgeführt, von dem unsere Ausführungen ausgegangen sind, daß ein jüdisches Palästina eine Wendung in der Entwicklung des gesamten Judentunis bedeuten muß'. Wir dürfen dies behaupten, ohne das Werden der Geschichte vorher ausmessen und errechnen zu wollen. Unser Urteil stützt sich hier wie in allem, was wir darzulegen versucht haben, allein auf den Ausweis der geschichtlichen Bedingungen, x'. unter denen das Judentum an den Aufbau Palästinas herantritt, der Kräfte, die in der gegenwärtigen Entwicklung des Judentums wirksam sind, und der Tendenzen, die sich aus der nationalen Konsolidierung eines so ge-!/ . arteten Judentums unter den allgemeinen Voraussetzungen . gegenwärtiger Kultur ergeben. Auch innerhalb dieser Grenzen aber gilt unser Urteil nur unter der Voraus- | setzung, daß das Werk des Aufbaus in dem großem Sinne durchgeführt wird, in dem es gedacht ist. Es ist vergeblich darum zu streiten, ob und in welchem Maße dies gelingen kann. Die Einsicht, daß durch Verschiebungen der weltpolitischen Lage alle Hoffnungen auf den Auf- ' bau Palästinas zerstört werden können, ist nicht eben schwer zu. erlangen. Mit solchen, Gefahren muß jede Arbeit rechnen, die auf die Gunst politischer Faktoren , angewiesen ist. Schwächlich aber ist das Verlangen, eine Sicherheit dafür zu haben, daß die Kraft des; Judentums für die Größe einer solchen Aufgabe ausreicht. Die Geschichte stellt ihre Aufgaben dem Willen, der seine Kraft nur durch die Tat erweisen kann. Der Glaube an sich selbst, der zu solcher Tat gehört, läßt sich einer Gemeinschaft nicht andemonstrieren. In einer innerlich gesunden Gemeinschaft wird er spontan erwachen, wenn ihr ein Ziel gesteckt wird, deffen Größe und Schön-