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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1921-01-01 · 24 (1921-1922) · p. Seite 85

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
24 (1921-1922)
Article
Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
Date
1921-01-01
Page
Seite 85 (sequence 23)
Language
German
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fürchten wir, daß das Judentum außerhalb Palästinas keine Lebensfähigkeit mehr besitzt. Die gesamt-jüdische Bedeutung des künftigen palästinesischen Gemeinwesens kann nicht darin bestehen, daß es das Judentum gänzlich absorbiert, sondern wie einsichtsvolle Beurteiler schon längst gesehen haben, nur darin, daß es das Herz im Organismus des gesamten Judentums wird. Zentrum und Peripherie werden indessen unter so verschiedenen Entwicklungsbedingungen stehen, daß ihr innerer Zusammenhang zunächst in Frage gestellt erscheinen könnte. Während in Palästina an Stelle der religiösen die nationale Gemeinschastsform tritt, wird das Diaspora-Judentum religiöse Gemeinschaft bleiben und auch seine innere Kraft aus religiösen Quellen schöpfen. Die jüdische Kultur Palästinas wird für die Diaspora nicht die Bildungswelt sein, in der sie unmittelbar verwurzelt ist. Die Juden, die inmitten der europäischen Kulturwelt leben, werden von deren Leben weiter gespeist werden, und ihr mit ihrem Wirken angehören. Eine Vermittelung zwischen diesen beiden jüdischen Welten könnte das Ostjudentum darstellen, wenn es seine bisherige kulturelle Abgeschlossenheit bewahren sollte. Ob dies der Fall sein wird, ist indessen mehr als fraglich. Möglich wäre es nur, wenn die Ostjuden weiter in ihrem bisherigen Wohngebiet zusammengedrängt bleiben und keine Möglichkeit haben, sich über hen ganzen Bereich des alten Rußland zu verbreiten. Selbst in diesem Falle aber ist es überaus zweifelhaft, ob die Geschlossenheit des jüdischen Lebens sich erhalten wird, wenn die religiöse Einheitskultur, die im Osten bis in die Gegenwart fortdauert, sich auch dort auflöst. Die bisherigen Ansätze zu einer modernen jüdischen und hebräischen Kultur hatten den Bestand der alten jüdischen Lebensgemeinschaft zu ihrer Voraussetzung. Daß sie aus eigener Kraft eine solche Lebensgemeinschaft zu tragen vermöchten, ist nach den bisherigen Erfahrungen wenig .glaubhaft. Ein Nebeneinander von palästinensischem und Diaspora- Judentum gab es bereits in der Zeit des zweiten Tem-

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