Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 24 (1921-1922)
- Article
- Der Wiederaufbau Palästinas im Zusammenhang der jüdischen Geschichte
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 20)
- Language
- German
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Kultkr, wenigstens bei den körperlich arbeitenden Klaffen, nur ausnahmsweise verwirklichen. Wie groß nun aber auch die Umbildungen sein mögen, die das überlieferte jüdische Bildungsidealerfahren muß, die Möglichkeit eines jüdischen Palästina hängt daran, daß der Geist, dem es entsprang, sich auch dort durchsetzt. Und die tiefe innere Notwendigkeit, aus der das jüdische Bildungsverlangen entspringt, schließt zugleich die Kraft in sich, die der äußeren Schwierigkeiten Herr zu werden vermag. Das Bildungsproblem des Palästinensischen Judentums ist freilich das gleiche wie das der gegenwärtigen europäischen Gesellschaft überhaupt, aber die Bedingungen seiner Lösung sind in einer so durchgeistigten Gemeinschaft wie der jüdischen von Grund aus andere. Das einzigartige Schicksal der Diaspora, das diese Eigenart des Judentums wenn nicht geschaffen, so doch zur vollen Ausprägung gebracht hat, läßt sich aus dem jüdischen Wesen nicht mehr aüslöschen. Auch wenn in Palästina die soziale Gliederung der Diaspora der normalen Gliederung eines autonomen Volkes weicht, wird das Judentum nicht aufhören, das Volk des Geistes zu bleiben, zu dem es sich in einer langen Geschichte entwickelt hat. Die Rückkehr nach Palästina kann keine Entgeistigung des jüdischen Wesens bedeuten, allein unter den natürlicheren Lebensbedingungen, die sich dort darbieten, muß dieses Wesen wieder jugendlicher aufblühen. Unter allen Eigentümlichkeiten des jüdischen Geistes ist keine so augenfällig wie sein starker nationaler Zug, der denn auch in allen Schilderungen jüdischen Geistes entsprechend stark und oft in verzerrender Einseitigkeit betont wird. Soweit er lediglich dem hohen Kulturalter des Judentums entspricht, wird keine Zukunft an ihm etwas ändern, und die Verstandesfeindschaft, die sich in absonderlicher Verirrung gelegentlich auch in jüdischen Kreisen geltend macht, muß sich schon mit der Unabänderlichkeit dieser Tatsache abfinden. Die Diaspora aber hat die Bewußtheit des Intellekts weit über dieses Maß hinaus entwickelt. Die allgemeinen Bedingungen eines Lebens, in dem die Juden als eine-schwache Minderheit aus den Verstand als die